Fremde

Ausgrenzende Assoziation mit den Wörtern „fremd“ und „Fremde“

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Die mittelalterliche Gesellschaftsordnung beruhte auf Personenverbänden, die Schutz-, Friedens- und Rechtsgemeinschaften waren. In den Stämmen, die bis ins Hochmittelalter das politische Organisationsgerüst des Herzogs bildeten, galt nach dem Personalitätsprinzip das Stammesrecht grundsätzlich nur für die zum Stammesverband gehörenden Leute. Der Stammesfremde, der vorübergehend, etwa als Kaufmann oder Gesandter, anwesend war, stand außerhalb der Rechtsgemeinschaft. Im fränkisch-deutschen Reich waren alle Stammesmitglieder gleichberechtigt. Deshalb galt im Hochmittelalter nur der als Fremder, der nicht zum Reichsverband gehörte. Zur Wahrung der Rechte des Reichsfremden stand der Gast unter dem Gastrecht und somit unter Königsschutz. Mit der Formierung von Territorien und der Städte gewann das Fremdenrecht eine stärkere Bedeutung. Alle außerhalb des Territoriums und der Stadt stehenden Leute waren Fremde, die rechtlichen Beschränkungen unterlagen (Grunderwerb, Prozessrecht). Juden waren Fremde auf Grund der Religionszugehörigkeit.

Zugang zum Staatsgebiet kann nach Ermessen geregelt werden, wenn …

Heute regeln das Fremdenrecht, völkerrechtliche und innerstaatliche Vorschriften die Rechtsstellung von Fremden. Der Zugang zum Staatsgebiet (Einreise, Niederlassung, Aufenthalt) kann nach Ermessen geregelt werden, soweit nicht vertragliche Bindungen bestehen (Ausländergesetz vom 9. Juli 1990). Fremde unterliegen der Rechtsordnung des Aufenthaltsstaates. Besonderer Schutz kommt Flüchtlingen und heimatlosen Ausländern zu. Bis heute hat sich eine ausgrenzende Assoziation mit dem Wort „fremd“ und mit fremden Personen erhalten (Ablehnung von Fremdwörtern, Fremdkörper, Fremdling, Fremdenfeindlichkeit). 1992 fanden in Dorsten mehrmals Mahnwachen auf dem Marktplatz, vor der Franziskanerkirche und auf dem Brunnenplatz in Hervest gegen Fremdenhass und Gewalt gegen Ausländer statt. Das Paul-Gerhardt-Haus richtete sein Bildungsprogramm im Jahre 2000 gegen den Fremdenhass und für mehr Toleranz aus. Im Jahre 2001 demonstrierten unter dem Motto „Flagge zeigen“ über 4.000 Schüler auf dem Marktplatz „gegen rechte Gewalt“.


Siehe auch:
Asyl
Fremdenfeindlichkeit
Integration

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