Flüchtlingsunterkünfte

Brandstiftung in Raesfeld – Erschreckender Anstieg der Anschläge

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Die schlimmen Nachrichten kommen sonst aus östlichen oder südlichen Bundesländern, am 10. Januar 2016 aber aus unmittelbarer Nähe von Dorsten – aus Raesfeld. Dort wurde in der Nacht zuvor ein Brandanschlag auf eine vorbereitete Flüchtlingsunterkunft verübt. Das ehemalige Hotel „Epping“ war bereits Mitte 2015 vom Gemeinderat zum Abriss freigegeben. Um Flüchtlinge unterbringen zu können, entschied der Rat im November, die neun Doppel- und zwei Einzelzimmern als Flüchtlingsunterkunft bis spätestens 2017 zu nutzen. Als das Gebäude bezugsfertig war, schüttete ein unbekannter Täter Brandbeschleuniger im Gebäude aus und entzündete ihn. Eine zufällig in er Nähe parkende Autofahrerin bemerkte den Brand und einen Radfahrer, der vom Haus wegflüchtete. Die Mitglieder der Rasfelder Flüchtlingshilfe waren geschockt. Die „Dorstener Zeitung“ zitiert eine Mitarbeiterin: „Ich habe nie erwartet, dass so etwas hier bei uns in Raesfeld passiert.“

2015 haben Asylunterkünfte 76-mal gebrannt

Die Brandanschläge auf Asylbewerberheime und Gewalttaten gegen ihre Bewohner haben in einem erschreckenden Maße zugenommen. Besonders der steile Anstieg von Brandanschlägen gibt Anlass zur Sorge. 76-mal wurde 2015 in Flüchtlingsunterkünften Feuer gelegt. Hinzu kommen elf versuchte Brandstiftungen. Zum Vergleich: 2014 gab es sechs Brandanschläge auf Asylbewerberheime. Auch insgesamt stieg die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsheime deutlich an. Bis zum 11. Januar 2016 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) 924 Delikte – mehr als das Vierfache des Vorjahres. Den größten Teil machen Sachbeschädigungen aus (347 Fälle). Es folgen Propagandadelikte (186 Fälle) und Volksverhetzung (104). Die Zahlen sind vorläufig. In den vergangenen Jahren sind die Zahlen durch Nachmeldungen zum Teil noch deutlich angestiegen. Gesicherte Erkenntnisse darüber, wie viele Menschen bei den Anschlägen im vergangenen Jahr verletzt wurden, liegen nicht vor. Todesfälle gab es nicht.

Wenige Straftaten werden aufgeklärt – Anklage wegen versuchten Mordes

Die Täter bleiben oft unerkannt. Wie eine Nachfrage der „tagesschau“ in 13 der 16 Bundesländer ergab, werden nur 27 Prozent der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte aufgeklärt. Das BKA geht davon aus, dass die Täter ganz überwiegend Rechtsextreme sind. Für 825 Übergriffe auf Flüchtlingsheime macht das BKA „rechtsmotivierte Täter“ verantwortlich. Aber auch bei den restlichen 99 Fällen könne eine politische Motivation nicht sicher ausgeschlossen werden. Zumindest der Brandanschlag von Salzhemmendorf könnte bald aufgeklärt werden. Die Staatsanwaltschaft Hannover erhob Anklage gegen drei Tatverdächtige wegen versuchten Mordes. Die zwei jungen Männer und eine Frau werden beschuldigt, in dem niedersächsischen Ort bei Hameln einen Brandsatz in die Wohnung einer Flüchtlingsfamilie aus Simbabwe geworfen zu haben. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft handelte das Trio aus Ausländerhass. Die Angeklagten haben ein Geständnis abgelegt – schweigen jedoch zu ihrem Motiv.

Zahlen aus Nordrhein-Westfalen

Waren 2011 noch 18 Übergriffe aus Nordrhein-Westfalen gemeldet, so gab es ein Jahr darauf 24, 2013 mit 55 das Doppelte und 2014 verdreifachte sich die Zahl auf 170. Sprunghaft stiegen die Zahlen 2015 an. Das LKA meldete 789 Anschläge auf  Unterkünfte, darunter 28 Brandanschläge. In NRW in den Städten Duisburg 7. 8.), Witten (3. 9.), Lünen (19. 9.), Xanten (3./4. 10.); in Borken wurde Pflastersteine durch die Fenster geworfen (8. 12.) und in Waltrop und Schwerte Hakenkreuze geschmiert. 2016 (bis einschließlich Februar) ging es in NRW weiter: Köln-Mülheim (2. 1.), Feldhausen/Botropp (4. 1.), Rinsecke (8. 1.), Ascheberg (9. 1.), Raesfeld (siehe oben 10. 1.), Oberhausen (2. 2.) und Bocholt (7. 2.).


Siehe auch:
Flüchtlinge

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