Filippin, Antonio (II)

Im Paradies gut eingelebt: Mit Kunst, Galerie, Café und Piratenmuseum

Antonio Filippin vor seinem Piratenmuseum auf den Seychellen

Antonio Filippin vor seinem Piratenmuseum auf den Seychellen

Von Wolf Stegemann – Wie im ersten Bericht über Antonio Filippin bereits geschrieben, hatte er sich 1999, nach sechs Jahren Aufenthalt mit Arbeitserlaubnis, ein großes Berggrundstück in der Bucht von Anse la Liberté im Südwesten von Mahé gekauft. Mit vielen Felsen und einem „Gipfel“. Von diesem Bergrücken kann man weit über den Indischen Ozean blicken und Piratenschiffe schon vorzeitig erkennen. Denn Mahé war früher eine Pirateninsel, auf der auch der große Pirat „Le Buse“ (Der Bussard) seinen Schatz vergraben haben soll. Jahrzehntelang wird er von vielen Menschen ernsthaft gesucht, wurde bislang aber nicht gefunden. Außer ein paar Requisiten eines Hollywood-Filmteams, das dort 1986 Außenaufnahmen für den Polanski-Film „Piraten“ gedreht hatte. Auch moderne Piraten aus Somalia sind seit Jahren in den Gewässern zwischen den 115 Seychellen-Inseln aktiv. Sie entern Luxusjachten, Frachter und Passagierschiffe. Die Schlagzeilen schadeten und schaden dem Seychellen-Tourismus.

Antonio Filippin baute eine Art von Piratenmuseum auf

Blick von Antonios Galerie

Blick von Antonios Galerie

Das historische Piratenthema berührte Antonio Filippin schon immer. Jetzt hat er seine Idee umgesetzt: Auf seinem Grundstück zwischen Wohnung, Restaurant mit Café und seinem Atelier hat er ein „Piratenmuseum“ gegründet. Eigentlich kein richtiges. Denn in der Hauptstadt Victoria gibt es ein richtiges. Darin sind auch echte Piratengrabsteine aus dem 18. Jahrhundert mit Totenkopf und gekreuzten Knochen ausgestellt. Die sieht man bei Antonio Filippin auch. Allerdings gemalt und als Bühnenrequisiten, mit denen Antonio und sein russischer Freund Ivan Rosstock („Ross“) Einheimische und Touristenkinder zum Lachen und zum Gruseln bringen. Dann werden den Kindern und Erwachsenen Piratengeschichten am Lagerfeuer erzählt – in Englisch und  Russisch – und die Kinder dürfen dann eine Schatzkiste suchen.

Der Dorstener Aluminium-Hahn kräht jetzt auf den Seychellen

Filippin-2-HahnWährenddessen kocht Antonios Lebensgefährtin Maria, eine schwarzafrikanische Kreolin, im „Marias Rock-Café“ für Touristen und andere Besucher einheimische Köstlichkeiten. In der Galerie gibt es einen Überblick über die Kunst, die auf den Seychellen gemacht wird. Neben einheimischen Künstlern haben sich etliche internationale niedergelassen, so wie der Bildhauer Antonio Filippin aus Dorsten. Dessen in Dorsten geschaffener Aluminium-Hahn und die bekannte Ziege aus Polyester, die er mit seinem gesamten Umzugskrempel 1996 mitgenommen hatte, leben immer noch und sind dort ausgestellt. Inzwischen hat der Ex-Dorstener neben seiner italienischen auch die Staatsbürgerschaft der Seychellen. Spezialisiert hat er sich auf das Schnitzen und Malen von Hinweisschildern. Die ganze Insel, oder anders gesagt: der ganze kleine Staat, ist davon überzogen und jedermann richtet sich nach Antonios gemalten Weisungen – oder auch nicht!
Die Insel hat sich verändert. Reiche Russen und Araber haben die Seychellen fest im Griff. Sie kauften Land und ganze Inseln und bauten Prunk-Paläste und Villen, wofür so mancher Berggipfel abgeholzt wurde. Touristen aus Deutschland sind weniger geworden, Japaner, Araber und Russen dafür mehr. Der Luxus geht an der einheimischen Bevölkerung ziemlich vorbei. Sie hat nichts davon. Man lebt von dem, was wächst und schwimmt: Bananen, Früchte, Fische. Geändert haben sich auch die politischen Verhältnisse. Inzwischen haben sich die ehemals sozialistischen Seychellen, unterstützt von der  Sowjetunion, der DDR, von China und Nordkorea vom Einparteien-Staat über die Alibi-Etablierung einer kleinen zweiten Partei hin zu einem Staat entwickelt, in dem es heute eine echte Opposition gibt.

Wenn das Telefon klingelt, meldet er sich mit: „Antonio in paradise!“

Wohnhaus, Galerie, Piratenmuseum, Restaurant

Wohnhaus, Galerie, Piratenmuseum, Restaurant

Für Antonio Filippin ist sein Berg sein Paradies, das er sich in jahrelanger Arbeit und mit viel Aufwand eingerichtet hat. Da fühlt sich der vor 74 Jahren in den karstigen und eisigen Hochdolomiten Geborene und rund 40 Jahre lang gewesene Dorstener wohl, weil man dort freier leben kann als in Deutschland, wo alles reglementiert sei, gibt Alexandra das Denken und Fühlen ihres Vaters wieder. Und es stimmt. Die Regierung dort lässt jeden einigermaßen gewähren, was auch immer er tut, solange er nichts gegen die Regierung unternimmt. Möglich dass sich auch das gemildert hat. Nach wie vor gilt für Antonio Filippin, der auf diesem Weg alle seine Freunde, Bekannte in Dorsten grüßen lässt, die Position der Abgeschiedenheit, die der Werbespruch der Seychellen vermittelt: „1000 Meilen von irgendwo!“ Und wenn Antonio angerufen wird, dann meldet er sich, wie er es schon 1996 getan hat, mit den Worten: „Antonio in paradise!“


Siehe auch:
Künstler, bildende


Quelle:
Gekürzte Version des Artikels in Dorsten-transparent

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