Brunnen-Debatte 2021 (IV)

Stadtfeste-Organisatoren wollen den Tisa-Brunnen nicht wieder aufstellen

H. Schuster, L. Schlotmann, B. Imping (2019 v. l.): weg mit dem Tisa-Brunnen; Foto Diebäcker (DZ)

Das Team Hans Schuster, Luca Schlotmann und Benjamin Imping, welche Dorstens Stadtfeste organisiert, wollen weder den Tisa-Brunnen auf dem Marktplatz noch irgendeinen anderen. Denn der Brunnen würde den paar Stadtfesten, der Bierbörse im Sommer und der Eisbahn Ende des Jahres nur im Weg stehen, begründeten sie ihre Meinung in der „Dorstener Zeitung“: „Wegen der neuen Stadtmöbel haben wir schon jetzt in der Innenstadt zu wenig Flächen zur Verfügung.“ Die Einschätzung, den Brunnen ganz wegzunehmen, würden die in der „Dorstener Interessengemeinschaft Altstadt e. V.“ (DIA) vertretene Dorstener Kaufmannschaft teilen. Nicht geteilt wird sie von der Stellung bezogenen Dorstener Bevölkerung wie Umfragen und Leserbriefe in der „Dorstener Zeitung“ zeigen – wie diese beiden Beispiele vom Mai 2021 (Auszüge):

U. und D. Sch.: „So kann man doch nicht mit dem Erbe der Ehrenbürgerin unserer Stadt umgehen. Die Macher brauchen mehr Platz für Veranstaltungen (Verkaufsfläche). Wir wohnen seit 1984 in Dorsten und wir haben noch nie gehört oder gelesen, dass der Brunnen bei Veranstaltungen stört oder im Weg steht. Wenn der Brunnen, sollte er auf dem Marktplatz wieder aufgebaut werden, bei Veranstaltungen stört, könnte man den Schlittschuhverleih, über den man die Eisfläche betritt, auf einen Sockel über den Brunnen stellen und ihn damit sogar noch schützen bei dem starken Betrieb, der dann dort herrscht. Der Brunnen sollte auf jeden Fall an gleicher Stelle wieder aufgebaut werden, egal, ob das Original oder eine Replik wegen des schlechten Zustandes einiger Reliefs, schon allein wegen der Zuleitungen, die den Berichten zufolge im Erdreich unter dem Pflaster liegen gelassen wurden. Wir sollten das Erbe von Tisa von der Schulenburg in Ehren halten, damit wir, unsere Nachkommen und die Besucher unserer schönen Stadt an den Reliefplatten die Geschichte Dorstens sozusagen in Stein gemeißelt ablesen können.“

Ralf Z.: Es geht nur noch um den schnellen Profit. Die unendliche Geschichte um die Zukunft des Tisa-Brunnens bedarf einer zeitnahen Entscheidung. Hierbei sollte der Historie um den von Schwester Paula gestalteten Brunnen Rechnung getragen werden. Somit gehört der Brunnen an den alten Platz als Symbol Dorstener Stadtgeschichte. Mit Erstaunen musste ich dem Artikel entnehmen, den Brunnen aus kommerziellen Gründen opfern zu wollen. Den Initiatoren dieses Vorhabens geht es nur um geschäftliche Interessen, nicht aber um eine gesteigerte Attraktivität des Marktplatzes unter Berücksichtigung der Historie. Die Initiative spiegelt ein gegenwärtiges Gesellschaftsproblem wider: Der Bitcoin-Generation geht es nicht um Nachhaltigkeit, sondern um den schnellen Profit, in diesem Falle um ein paar Quadratmeter kommerzieller Stellfläche, auf die wir bestens verzichten können.“

Walter und Lore V. „Meine Frau und ich waren gestern nach langer Zeit wieder einmal in Dorsten…  Wir bemerkten aber auch, wie leer und steril der Marktplatz auf uns wirkte: Kein Baum, kein Strauch, nur ein nicht funktionierender Brunnen waren zu sehen. Einige Markthändler verloren sich auf dem großen Platz. Besonders vermissten wir den Tisa-Brunnen, der über viele Jahre an eine Dorstener Künstlerin erinnerte, die landesweite Bekanntheit erlangte. Die wegen Corona fehlenden Tische und Stühle der Gastronomen taten ein Übriges… Einen Tag nach unserem Innenstadtbesuch berichtet die Dorstener Zeitung von drei ,Stadtfeste-Machern’, die sich dafür stark machen, dass in Zukunft dieser Tisa-Brunnen auf dem Markt keinen Platz mehr finden soll. Wir waren erschrocken über die Argumentation dieser ,Macher’. Wir meinen, die ,Gute Stube’ einer Stadt muss an allen Tagen des Jahres für ihre Bürger einladend sein und nicht nur für wenige Tage, in denen Veranstaltungen auf dem Marktplatz stattfinden. Um das zu erreichen, sollten sich Wochenmarkt, Brunnen, Bäume, gemütliche Bänke, Kinderspiele und Veranstaltungen den Platz teilen – so wie es sich viele Jahre bewährt hat. Zu diesem Zweck sollten die Veranstalter sich in ihrem Platzbedarf ein wenig bescheiden. Manchmal ist weniger mehr.“

Arno A.: „Treffpunkt für uns war immer der Tisa-Brunnen. Er war wie die alte Stadtwaage eins der beiden typischen Alleinstellungsmerkmale der Innenstadt Dorstens. Dies sahen auch immer unsere auswärtigen Besucher so. Ich fände es schade, wenn aus kommerziellen Aspekten auf den Wiederaufbau des Tisa-Brunnens (gerne Nachbau) an der alten Stelle verzichtet würde. Die Stadt Dorsten würde aus meiner Sicht ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal in der Region und zentralen Treffpunkt verlieren. Blicken Sie mal auf den Marktplatz nach Coesfeld mit dem „Konferenz der Elemente“-Brunnen. Dort spielt sich das Leben ab. Dorsten verliert aus meiner Sicht an Attraktivität und Identität, wenn der Brunnen nicht am alten Standort wieder aufgebaut wird – auch wenn der Tisa-Brunnen nicht so spektakulär ist wie der „Konferenz der Elemente-Brunnen“ in Coesfeld. Viele berühmte Städte werden mit ihren Brunnen im Kontext gesehen, z.B. Rom mit dem u. a. Trevi-Brunnen, Brüssel mit dem Manneken Pis usw. Ich denke, die Mehrheit der Bürger Dorstens hat wenig Verständnis für die Argumente der Stadtfeste-Macher zum Brunnen. Trotzdem vielen Dank an die Stadtfeste-Macher für etliche tolle Stadtfeste, liebend gerne weiter so! Aber mit Brunnen!“

Siehe auch. Brunnen-Debatte I
Siehe auch: Brunnen-Debatte II
Siehe auch: Brunnen-Debatte III
Siehe auch: Brunnen

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