Braune Haus

Einflussreiche Machtzentrale der Nationalsozialisten in der Lippestraße

Braune Haus der NSDAP in der Lippestraße

Das 1934 eingerichtete „Hermann Göring-Haus“ in der Lippestraße war das Braune Haus der NSDAP

Von Wolf Stegemann – Die Parteizentrale der NSDAP befand sich im ehemaligen alten und zerfallenden Gerichtsgebäude an der Lippestraße. Es wurde 1933 zum so genannten Braunen Haus umgebaut und mit der Bezeichnung „Hermann-Göring-Haus“ am 15. Oktober 1933 eröffnet. Der Namensgeber Hermann Göring, enger Hitler-Vasall und Ministerpräsident von Preußen, wurde zur Eröffnung eingeladen, kam wegen „anderweitiger Inanspruchnahme“ aber nicht. So mussten sich die Dorstener Nationalsozialisten unter Ortsgruppenleiter Ernst Heine mit einem Foto des Ministerpräsidenten bescheiden. Die „Dorstener Volkszeitung“ schrieb über das Braune Haus:

„In hellbraunem Glanz liegt das Haus in der Häuserflucht der Lippestraße, überragend von seiner Wuchtigkeit, die durch die beiden Hakenkreuze auf den Türpfeilern und die markante Aufschrift Hermann-Göring-Haus noch betonter wird.“

Adolf Hitler in Öl schmückte das Innere

Im Inneren des mit 7.160 freiwilligen Arbeitsstunden arbeitsloser Nationalsozialisten renovierten Gebäudes befanden sich die Wache, das Sturmbannbüro, der Aufenthaltsraum der SA, Räume der SS sowie Zimmer anderer Parteiformationen und ein Konferenzzimmer, geschmückt mit einem Hitler in Öl, gemalt vom Dorstener Willi Singor. Ein Teil des Gartens wurde für „Übungszwecke“ planiert und über allem wachte im Treppenhaus eine Büste des Führers. Allerdings bekam die NSDAP das Gebäude nicht umsonst. Doch war ihr Einfluss 1933 schon so groß, dass der Staat ohne weiteres das Amtsgericht für nur einen symbolischen Betrag abgab. Für je 1.000 Reichmark Gebäudewert musste die Partei nur 20 Pfennige Steuern bezahlen. Am Tag der Einweihung weckten um sieben Uhr Böllerschüsse die Dorstener aus dem Schlaf. Obersturmbannführer Artur Wagner (später Standartenführer) aus Hervest-Dorsten marschierte mit seiner 1.000 Mann umfassenden „SA-Standarte 273“ auf. Vertreter des Magistrats und Bürgermeister Dr. Josef Gronover bemerkten in ihren Jubelreden:

„Gerade das Hermann-Göring-Haus – als Spiegelbild des deutschen Aufstiegs – lässt als leuchtendes Symbol die hohe Bedeutung des Handwerks erkennen …“

Während bei der Einweihung 1933 Feuerwerkskörper den Beginn des Aufstiegs bekundeten, fielen zwölf Jahre später Bomben der Alliierten auf das Braune Haus und zerstörten es, das eigentlich „für alle Zeiten nationalsozialistische Aufbauarbeit“ dokumentieren sollte.

In Holsterhausen war das Kommissariat an der Pliesterbecker Straße das Braune Haus, in dem Polizei und Verwaltung untergebracht waren, und in Hervest-Dorsten befand es sich am Brunnenplatz.

Begriff „Braune Haus“: Seit Jahresbeginn war das „Braune Haus“ in München Sitz der Reichsleitung der NSDAP, zunächst vom Volksmund so benannt, dann offizielle Bezeichnung in München. Von dort aus wurden alle Parteihäuser „Braunes Haus“ genannt.
Parteifarbe Braun: Eher zufällig kamen die Nationalsozialisten zur Parteifarbe Braun. Die Hakenkreuzfahne nutzte noch Schwarz-Weiß-Rot, doch für Uniformen waren die Signalfarben Rot (Kommunisten) und Schwarz (italienische Faschisten) schon vergeben. Hitler griff daher für die SA auf die „erdige“ Tönung der Uniformen der früheren deutschen Schutztruppe in Afrika zurück (Braunhemd) und erklärte Braun 1925 nach der Neugründung der Partei zur „Farbe der Bewegung“. Später wurde Braun als besonderes Kennzeichen der Verbundenheit mit der „Heimaterde“ und dem Volk gedeutet.

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