Banken

Gewerbebank für zunehmenden Kreditbedarf 1897 errichtet

Da sich in Dorsten der Zahlungsausgleich viele Jahrhunderte von Hand zu Hand regelte, wurde erst in den 1880er-Jahren das erste Bankgeschäft von Franz-Josef de Weldige-Cremer gegründet. Vorher waren die Unternehmen genötigt, den bargeldlosen Zahlungsverkehr über Banken in Münster, Essen und Dortmund abzuwickeln.

Bankgeschäft de Weldoge

Inserat des Bankgeschäfts de Weldige-Cremer in der “Dorstener Volkszeitung” 1911; Bank machte 1959 Konkurs

Zwar hatte die 1855 als „Nebensparkasse des Kreises Recklinghausen in Dorsten“ gegründete KSK Kreissparkasse Recklinghausen bereits 1859 eine Zweigstelle in Dorsten errichtet (ehrenamtlicher Leiter war Wilhelm Schürholz), 1879 war eine Städtische Sparkasse eröffnet worden, doch ihre Aufgaben bestanden jahrzehntelang fast ausschließlich darin, den Einwohnern „Gelegenheit zu geben, ihre Ersparnisse sicher und gegen Zinsen anzulegen“ sowie Bau- und Betriebskredite zu gewähren. Erst 1911 führten sie den Giro- und Kontokorrentverkehr ein. In Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum und dem zunehmenden örtlichen Kreditbedarf für den Wohnungsbau wurde 1897 eine Gewerbebank in Dorsten und 1904 eine in Hervest gegründet. Die Bankgeschäfte nahmen aber über die Tätigkeit der Sparkassen hinaus erheblich zu. Daher errichtete die Essener Kreditanstalt 1906 eine Agentur in Dorsten. Im selben Monat (April) wurde die Dorstener Bank AG gegründet.

Umstrukturierung nach dem Ersten Weltkrieg – Unternehmen am Ende

Stadtsparkasse am Südwall 1920

Stadtsparkasse am Südwall 1920

Zur Zeit des Ersten Weltkriegs und danach traten erhebliche Veränderungen in der Wirtschaft des Dorstener Raumes ein. Drei der sieben größten Betriebe stellten ihre Produktionen ein. Daher ergaben sich auch bei den Banken weit reichende Umgestaltungen. Die Dorstener Bank wurde 1916 aufgelöst und die Städtische Sparkasse ging in der Kreissparkasse auf. Die Gewerbebank wurde 1923/24 in eine Spar- und Darlehnskasse umgewandelt und die Filiale der Essener Kreditanstalt kam 1925 durch Fusion an die Deutsche Bank AG.

Neue Banken entwickelten sich nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg traten abermals erhebliche Veränderungen im Bankgewerbe ein. Die Kundenkreditbank GmbH errichtete 1953 eine Zweigstelle in Dorsten, die in den 1990er- Jahren in Citibank umbenannt wurde (heute Targobank). Das Bankgeschäft von F. J. de Weldige-Cremer wurde 1958 infolge eines Konkurses aufgelöst. Es war nicht mehr konkurrenzfähig. Am gleichen Platz am Markt eröffnete die Commerzbank AG 1964 eine Filiale, die im Jahr 2000 zum Südwall umzog. In den Ortsteilen wurden Zweigstellen der Sparkassen und Volksbanken errichtet. In einer wissenschaftlichen Untersuchung von 1955 von H.-J. Seraphim wurde festgestellt, dass Dorsten über einen bewerkenswerten Bestand an Banken und Sparkassen verfüge. Die Kreissparkasse, die heute Sparkasse Vest Recklinghausen heißt, eröffnete 1956 eine Zweigstelle im Haus Boers, An den Birken, heute an der Freiheitsstraße. Die Hauptstelle zog 1999 vom Markt in den Neubau des Südwall-Centers an der Julius-Ambrunn-Straße.

Immer mehr Bankschalter werden aus Sicherheitsgründen geschlossen

Der Kundenverkehr der Banken hat sich grundlegend geändert. Nur noch 15 Prozent aller Bankkunden bevorzugen noch, Geld persönlich am Bankschalter abzuheben. Alle anderen nutzten den Bankautomaten. Die Stadtsparkasse Gladbeck hat beispielsweise 2016 ihre letzten Bargeldschalter aus Sicherheitsgründen  geschlossen. Die Volksbank Marl-Recklinghausen möchte trotz des großen Sicherheitsrisikos sich nicht grundsätzlich vom Bankschalter verabschieden. Die Sparkasse Vest, der auch Dorsten angehört, wird Bankschalter geöffnet halten, das Panzerglas abbauen, weil am Bankschalter dann lediglich der Geldabhebevorgang eingeleitet wird, der Kunde das Gald dann am nebenstehenden Geldautomaten mit Bankkarte aber ohne Pinnnummer abholen muss. So soll den Bankräubern künftig die Gelegenheit zum Überfall entzogen werden.

Sparkasse Vest beschließt Aufgabe von 15 Filialen

Bis zum Jahr 2019 will die „Sparkasse Vest“ 15 Filialen in acht Städten des Kreises schließen. Betroffen sind Filialen in Recklinghausen, Datteln, Waltrop und Herten-Scherlebeck. In diesen Filialen wird es dann nur noch Automaten geben. Die Sparkasse begründet ihre Entscheidung mit einem veränderten Kundenverhalten. Immer mehr wird online erledigt, in den Filialen gibt es immer weniger Kundenverkehr. Bis Ende 2020 sollen so 100 Stellen abgebaut werden – allerdings ohne Kündigungen, wie es heißt.

Die Deutsche Bank zieht sich aus Dorsten zurück

Die Deutsche Bank dünnt ihr Filialnetz aus. Bis Ende des Jahres sollen bundesweit 97 Filialen geschlossen werden. Davon betroffen ist auch die Dorstener Filiale an der Recklinghäuser Straße. Der Großteil der Schließungen ist für das vierte Quartal 2021 geplant. Auch in Gladbeck und in Castrop-Rauxel gibt es Schließungen. Die übrigen Filialen im Kreis Recklinghausen in Haltern am See, Recklinghausen und Datteln sind nicht betroffen. Begründet werden die Schließungen mit veränderten Bedürfnissen auf Kundenseite. „Kunden gehen immer seltener in die Filiale und nutzen immer mehr Online-Services, die wir weiter ausbauen“, sagte ein Unternehmenssprecher der „Dorstener Zeitung“. – Bei der Commerzbank geht das für Kunden der Deutschen Bank grundsätzlich auch. Die Filiale an der Essener Straße schließt aber möglicherweise auch bald.

Auch die Commerzbank schließt ihre letzte Filiale in Dorsten

Neben der Deutschen Bank wird auch die Commerzbank ihre letzte Filiale in Dorsten schließen. 99 Filialen wird die Commerzbank bis Ende 2022 allein in Nordrhein-Westfalen schließen. Auf der langen Streichliste steht auch die Zweigstelle an der Essener Straße in Dorsten. Die Commerzbank möchte mittelfristig „die digitale Beratungsbank für Deutschland werden“. Im Herbst 2021 wird deshalb auch die einzige Filiale in Dorsten geschlossen. Die die etwa 4000 Privatkunden der Commerzbank in Dorsten ist dann für persönliche Beratungen die Filiale in Gelsenkirchen-Buer zuständig, die – wie Dorsten – zur Niederlassung Bochum gehört. Auch in Recklinghausen wird es einen Standort geben, nicht aber mehr in Gelsenkirchen-Horst, Gladbeck, Haltern und Herten-Westerholt.


Quellen:
Hans-Jürgen Seraphim „Das Vest – ein dynamischer Wirtschaftsraum“, Recklinghausen 1955. – Bernhard Kuhlmann „Geschichte der Stadt Dorsten von der Zeitenwende bis zum Jahr 1975. Ein Sachbuch über die Entwicklung der Stadt, ihrer Bevölkerung und Wirtschaft“, 1975.

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