Arenberg, Herzöge

Sie waren die Besitzer des Vests und damit Landesherren von Dorsten

Schloss der Arenberger in Löwen

Schloss der Arenberger in Löwen

Die Geschichte der Arenberger ist die Geschichte einer europäischen Dynastie, deren Haustradition ihren Ursprung auf eine im 6. Jahrhundert bezeugte burgundische Linie der „Aremberte“ zurückführt. Geografisch sind sie in ihrem Ursprung mit einer Burg auf einem Bergkegel über dem Dorf Arenberg in der Eifel zu orten. Von dort dehnte das Adelsgeschlecht seine Herrschaft weit aus. In direkter Linie stammen die Herzöge von Arenberg dem Geschlecht der Grafen von Ligné ab. 1547 hatten sie die in der Eifel gelegenen Güter Roberts von der Mark-Arenberg erheiratet. 1549 wurden sie Reichsfürsten und 1644 in den Herzogstand erhoben.

Karte mit Einzeichnung des Herzogtums Arenberg

Karte mit Einzeichnung des Herzogtums Arenberg

Ihr zum Teil nicht reichsunmittelbarer unbestrittener Besitz umfasste sieben räumlich getrennte Herrschaften im Rheinland. Als Ausgleich für die verlorenen linksrheinischen Güter entschädigte 1803 der Reichsdeputationshauptschluss den Herzog mit dem Vest Recklinghausen und den münsterschen Ämtern Dülmen und Meppen, die zuvor zu den geistlichen Fürstentümern Köln und Münster gehörten. Schon ein Jahr vorher nahm der seit seinem fünften Lebensjahr durch einen Jagdunfall erblindete Herzog Ludwig Engelbert von Arenberg (1750 bis 1820) Besitz vom Vest und residierte in der nach ihm benannten Engelsburg in Recklinghausen.

Clemens Brentano setzte dem Herzog ein literarisches Denkmal

Der Herzog galt als kunstsinnige Persönlichkeit. Er förderte den Dichter Clemens Brentano, der seinem Gönner ein literarisches Denkmal setzte, indem er dem Herzog den „Ponce de Leon“ widmete. Und Bettine von Arnim, Brentanos Schwester, beschreibt in ihrem „Tagebuch zu Goethes Briefwechsel mit einem Kinde“ im Kapitel „Buch der Liebe“ seitenweise eine Begegnung mit dem erblindeten Herzog, der ihr einen Kuss gab, den dritten in ihrem Leben:

„Der blinde Herzog von Aremberg [sic!], der schöne, dessen Züge die geheiligte Würde der Legitimität aufgeprägt war, wollte gegen meinen Willen mir diesen Kuss geben, ich aber war wie die schwankende Blume im Winde, die der Schmetterling vergeblich umtanzt.“

Herzog Prosper-Ludwig von Arenberg

Herzog Prosper-Ludwig von Arenberg

Sie beschreibt den Herzog, wie sie ihn als Kind sah: als „schön“, mit „reiner, starker Stirn“ mit kühner, Trotz bietender Nase, mit feinen Lippen und einem Antlitz, „dessen Züge Geist ausströmten“. 1803 dankte der blinde Herzog zu Gunsten seines Sohnes Prosper Ludwig  (1785 bis 1861) ab, der die Regentschaft übernahm, 1804 die provisorische Regierung aufhob und durch das Hofratskollegium ersetzte. Es bestand aus einem Direktor und vier Räten. Sie waren auch die oberste gerichtliche Instanz. Der Herzog stellte 1804 ein „Arenbergisches Jägercorps zu Fuß“ auf, dessen Befehlshaber Freiherr von der Wenge zu Beck war. Allerdings kam diese vestische Truppe über 13 Mann, unter ihnen lediglich vier Gemeine, nicht hinaus. Auch fehlte ihr die einheitliche Kopfbedeckung, einige trugen Grenadierhüte, andere zivile Kopfbedeckungen; es mangelte an Patronentaschen und Koppeln.

Prosper Ludwig war selten im Vest. Er hielt sich meistens in Paris oder im Gefolge Napoleons auf, der ihn zum Senator und 1808 zum Comte l’Empire ernannte. 1806 trat der Herzog dem Napoleonischen Rheinbund bei, was im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation als Hochverrat angesehen wurde. Von Napoléon erhielt das Herzogtum volle Souveränität in Gesetzgebung, Gerichtsbarkeit, hoher Polizei und Besteuerung. Ohne Rücksicht wurden traditionelle Einrichtungen, Privilegien und Gewohnheiten beseitigt oder modernisiert. Die uralte landständische Verfassung wurde aufgehoben und die beiden vestischen Städte Recklinghausen und Dorsten verloren weitgehende Teile ihrer alten Freiheit und Selbstständigkeit.

Engelbert Auguste von Arenberg

Engelbert Auguste von Arenberg

Der Herzog stellte dem französischen Kaiser schon 1806 ein berittenes Regiment mit 108 Mann zur Verfügung, das 1807 gegen Preußen vorrückte, bei der Belagerung von Stralsund dabei war und an der Niederelbe und in Jütland operierte. Der Herzog beließ dieses Truppenkontingent auch nach dem Tilsiter Frieden im Feld. 1808 zog er mit seinem Regiment (fünf Offiziere, 197 Mann, 126 Pferde) von Itzehoe nach Spanien, wo sich 14 Deserteure nachweisen lassen, 15 Soldaten haben dort ihr Leben verloren. Andere kamen in englische Gefangenschaft wie der Herzog selbst (bis 1814).

Die westfälischen Kleinfürsten von Napoleons Gnaden ein- und abgesetzt, nannte der Franzosenkaiser verächtlich „Moorgrafen“. Das waren neben dem Herzog von Arenberg die Fürsten von Salm-Salm und Salm-Kyrburg (Ämter Ahaus und Bocholt), die Wild- und Rheingrafen zu Grumbach (Amt Horstmar), der Herzog von Croy (Amt Dülmen) und der Herzog von Looz-Corswarem (Teile der Ämter Wolbeck und Beverungen mit Teil der Stadt Rheine). Damit waren die geistlichen Fürstentümer gänzlich aufgeteilt. Die verwandtschaftlichen Bindungen des Herzogs zu Napoleon, Ludwig Prosper war seit 1808 mit der von Napoleon zur kaiserlichen Prinzessin erhobenen Nichte Josephine Beauharnais‘, Stephanie Tascher de la Pascherie verheiratet, nutzen ihm nichts, als Napoleon 1811 ihn der Regentschaft enthob und das Vest als Teil Frankreichs dem Großherzogtum Berg einverleibte. Arenbergs Wappen wurden entfernt und der französische Adler installiert.

Der Herzog wollte weiter regieren, aber die Preußen ließen ihn nicht

Als Napoleon besiegt war und das Vest 1815/16 preußisch wurde, stellte Herzog Prosper in der englischen Gefangenschaft das Ansinnen, „als deutscher Reichsstand“ in seine Hoheitsrechte wieder eingesetzt zu werden. Allein bei dem russischen General Fürsten Narischkin erreichte Arenberg, dass er ihn wieder zum Souverän ernannte. Doch auf Anweisung des preußischen Freiherrn vom Stein drohte der General von Bülow allen westfälischen Kleinfürsten die Verhaftung an, wenn sie sich unterstünden, wieder als regierende Herren aufzutreten. Seit 1854 war Prosper Ludwig erbliches Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Dorstens kurzzeitige Landesherren sind heute noch Milliardäre

August Ludwig Albert d'Arneberg (1837-1924)

August Ludw. Albert d’Arneberg (1837-1924)

Die Beziehungen zwischen der ehemaligen herzoglichen Residenzstadt Recklinghausen und dem Herzogshaus Arenberg hatten noch ein späteres Zwischenspiel. Die Stadt machte bei Enthaltung der Magistratsstimmen von SPD und KPD 1927 auf Veranlassung der arenbergischen Hof- und Rentkammer in Düsseldorf Engelbert Maria Herzog von Arenberg (1872 bis 1949) zum Ehrenbürger, weil er Teile seines Archivs dem Stadtarchiv Recklinghausen schenkte. Eine Abordnung der Stadt reiste nach Mainz und übergab ihm den Ehrenbürgerbrief, was spöttische Berichte im „Ruhr-Echo“ zur Folge hatte. Folgt man den Recherchen des Schriftstellers Bernd Engelmann, dann ist der westfälische Adel in der ehemals preußischen Provinz wirtschaftlich gut aufgestellt gewesen – und ist es heute noch. Er hat zwar seine Privilegien und Titel verloren, hat seine in den Jahrhunderten angehäuften Besitz- und Reichtümer durch die Höhen und Tiefen der Geschichte hinübergerettet in die Republik. Spitzenreiter war und ist immer noch die Familie der Herzöge von Arenberg, denen in Kumpanei mit Napoleon das Vest Recklinghausen mit der Stadt Dorsten, das Amt Meppen sowie weitere vordem im kirchlichen Besitz gewesene Ländereien im westfälisch-niedersächsischen Raum erhalten hatte. Der letzte souveräne Herzog regierte diese unter dem Namen Herzogtum Arenberg zusammengefassten Ländereien nicht lange. Der Onkel von Arenbergs Frau war Kaiser Napoleon, der seinem angeheirateten Neffen zuerst im Jahre 1810 wieder Meppen abgenommen hatte, dann einen Teil der einstigen Grafschaft Recklinghausen, die Napoleon seinem engen Mitstreiter Joachim Murat gab, der bereits Großherzog von Berg war.

Engelbert-Maria von Arenberg (1882-1949)

Engelbert-Maria von Arenberg (1882-1949)

Nach dem Sturz Napoleons ließ sich Herzog Prosper von Arenberg von seiner nun unnütz gewordenen französischen Gemahlin eilig scheiden, die Kirche half mit der Annullierung der Ehe, so dass der Herzog nun die Tochter Ludmilla des Herzogs von Lobkowicz heiraten konnte. Dieser war ein einflussreicher Mann in Wien, wo Fürst Metternich das alte Europa restaurierte. Diese Ehe zahlte sich für Arenberg auf dem Wiener Kongress aus. Der Herzog erhielt zwar nicht mehr die Souveränität zurück, aber seine riesigen Länderein und Privilegien, darunter das einträgliche Bergregal. Recklinghausens Bergbau wurde für die herzoglichen Privatiers Arenberg rund hundert Jahre lang zur Goldgrube. Jeder, der im Bereich seines ehemaligen Herrschaftsgebiets Kohle abbauen wollte, musste an die Herzöge Abgaben zahlen, auch der preußische Staat. Erst 1919 gingen diese Zahlungen gegen eine immense Entschädigungen für den Herzog an den Freistaat Preußen. Der ehemalige kirchliche Grundbesitz blieb allerdings unangetastet.

Latifundien in der ganzen Bundesrepublik und im Ausland

Johann-Engelbert von Arenberg (1921)

Johann-Engelbert von Arenberg (1921)

Heute umfassen die herzoglich Arenbergischen Latifundien in der Bundesrepublik, aufgeteilt in fünf Familien-Gesellschaften mit Sitz in Meppen, Nordkirchen, Recklinghausen, Düsseldorf und Schleiden in der Eifel, noch immer Areale, die seit 1913 größer und wertvoller geworden sind. Die Euro-Milliardäre der Familie von Arenberg leben nicht in ihren Schlössern, sondern vornehmlich meist an der Riviera. Auch durch ihre Heiratspolitik vermehrten die Arenberger ihren Besitz bis heute und sorgten dafür, dass er in Belgien, Frankreich, Luxemburg und in der Bundesrepublik nicht zersplittert wurde. In der Praxis bedeutet dies, dass sich die Arenberger verwandtschaftlich vermählten (Onkel-Nichten, Vettern und Kusinen) oder sich mit anderen Familien wirkungsvoll verbanden. Sie verheirateten sich mit den Fürstenhäusern Lobkowitz und Wrede sowie mit Karl Theodor Freiherrn von und zu Guttenberg (CSU-Bundestagsabgeordneter). Bernd Engelmann:

„Mit ihrem gewaltigen Grundbesitz und sonstigem Vermögen sowie durch ihre Verbindungen mit anderen einflussreichen Sippen zählen die Herzöge von Arenberg ohne jeden Zweifel, wie seit eh und je, zur Geld- und Machtelite Westdeutschlands.“

Die Familie von Merveldt gehört auch dazu

Unter den von Engelmann aufgezählten weiteren aristokratischen Grundbesitzer-Familien im ehemaligen westfälischen Preußen befinden sich die Familien der Herzöge von Croy (Dülmen), die gräflichen Familien von Merveldt (Lembeck), von Westphalen, von Landsberg-Velen, von Galen, von Münster und von Droste-Hülshoff, die Fürsten von Isenburg und Büdingen. Drei Dutzend Adelsfamilien im ehemals preußischen Teil der alten Bundesrepublik gehörten insgesamt 300.000 Hektar (d. s. 3.000 Quadratkilometer). Diese Fläche entspricht in etwa der Gesamtfläche zweier Bundesländer (Bremen und Saarland) oder der Fläche des nordrhein-westfälischen Regierungsbezirks Aachen mit den Landkreisen Aachen, Düren, Erkelenz, Jülich, Monschau, Schleiden und Geilenkirchen-Heinsberg sowie dem Stadtgebiet von Aachen.

Chefs des Hauses Arenberg: 1919 bis 1949 Engelbert-Maria von Arenberg (1872 bis 1949); 1949 bis 1974 Engelbert Karl von Arenberg (1899 bis 1974 in Monte Carlo); 1974 bis 1992 Erik von Arenberg (1901 bis 1992 in Punta del Esre, Uruguay); 1992 bis 2011 Jean Engelbert Herzog von Arenberg (1921 in Den Haag bis 2011 in Lausanne-Ouchy); 1993 belgische Anerkennung als Chef des Hauses mit dem Titel Herzog von Arenberg); seit 2011 Léopold Herzog von Arenberg (geboren 1956 in Tervuren).


Quelle:
Nach Bernd Engelmanns „Das Reich zerfiel … die Reichen blieben. Deutschlands Geld- und Machteliten. Mit Rangliste der 500 großen alten Vermögen“, Hoffmann und Campe, 1972. –  Textauszüge teilweise wörtlich entnommen.

Literatur:
Dr. Werner Koppe „Die Landesherren wechseln – die Untertanen bleiben“ in VK 1986- Wilhelm Kosch „Biographisches Staatshandbuch, Bd. 1, Bern 1963. – Dr. Werner Burghardt „Förderer der Geschichtsforschung: Herzog Engelbert Maria von Arenberg“ in Sonderdruck der RZ zum 150-jährigen Bestehen des Zeitungshauses vom 7. Mai 1981. – Ders. „Die Arenberger in Westfalen und im Emsland“, Landeshauptarchiv Koblenz 1990.

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