Afghanistan-Einsatz

Oberfeldwebel aus Dorsten 2010 bei schwerem Taliban-Überfall verletzt

Ein auf eine Miene gefahrened "Dingo"-Fahrzeug der Bundeswehr in Kkel

Ein auf eine Miene gefahrened „Dingo“-Fahrzeug der Bundeswehr in Kkel

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Bilderklärungen unten

Geboren 1984 in Jordanien; Oberfeldwebel der Bundeswehr, schwer verletzt in Afghanistan. – Mit drei Jahren kam Naef mit seinen Eltern von Jordanien nach Dorsten, wuchs in der Lippestadt auf, ging zur Bundeswehr und mit ihr nach Afghanistan, wo er bei einem Angriff der Taliban in Isa Khel 2010 angeschossen wurde. Naef besuchte die Volksschule, wurde in der Johanneskirche konfirmierte, spielte Fußball bei Rot-Weiß, absolvierte in Dorsten eine Installateur-Lehre und musste danach den Wehrdienst ableisten, denn er hatte mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit. Er verpflichtete sich 2004 für zwölf Jahre bei den Fallschirmjägern, kam zum Fallschirmjägerbataillon 373 in Seedorf und mit dem Bataillon im März 2010 zum Auslandseinsatz nach Afghanistan. Am Karfreitag des Jahres 2010 hatte er mit drei Kameraden und Pionieren den Befehl, u. a. auf einem Feld bei Isa Khel Minen zu räumen und Feindaufklärung zu betreiben, als rund 200 Taliban von allen Seiten mit Gewehren und Panzerfäusten russischer Produktion auf die Soldaten, darunter Naef und seine drei Kameraden, schossen. Etwa 40 Minuten später waren drei deutsche Soldaten tot und acht, darunter der Dorstener, zum Teil schwer verletzt. Ein mitgeführtes Panzerfahrzeug „Dingo“ fuhr auf eine Mine und explodierte. Bis dahin war dies das schwerste Gefecht, an dem deutsche Soldaten am Hindukusch beteiligt waren. Der Oberfeldwebel wurde ärztlich versorgt, zum Hubschrauberlandeplatz gefahren und von Amerikanern ausgeflogen, erst nach Kundus, dann nach Masar i Sharif und schließlich nach Koblenz. Ostern war er wieder in Deutschland.

Der Vater einer vierjährigen Tochter erholte sich bei seiner Familie in Dorsten, die Anfang 2011 nach Gelsenkirchen umzog. Danach tat er wieder Dienst in seiner Einheit. Sollte er sich nicht als Berufssoldat weiter verpflichten, endet seine Dienstzeit 2016. Gegenüber der Dorstener WAZ schilderte er den Überfall in Isa Khel:

„Man sieht die Taliban nicht, nur das Feuer aus Maschinengewehren und Panzerfäusten. In dem Moment haben wir abgespult, was wir gelernt haben. Nicht kehrt machen und wegrennen. Das wäre tödlich. Drei schießen, einer weicht aus. Immer im Wechsel. Ein Kamerad erhielt einen Helmtreffer. Ich wurde in die Beine geschossen. Rechts gingen zwei Projektile durchs Fleisch. Zum Glück wurde keine Arterie getroffen, sonst wäre ich dort auf dem Acker verblutet. Links erlitt ich einen Streifschuss an der Ferse, der den Knochen beschädigt hat. Der Kamerad, der den Helmtreffer erlitten hat, ließ sich nach der Rettung kurz verarzten und ist dann wieder ins Gefecht gegangen. 46 Minuten später war er tot.“

Der Redakteur fragte ihn, ob er wieder nach Afghanistan gehen würde. Seine Antwort: „Zwar nicht ohne Probleme. Aber ich würde gehen.“

Nachtrag: Durch ein Foto konnte ein Mann namens Mohammed Naim, einer der mutmaßlichen Taliban-Drahtzieher des Überfalls, identifiziert und durch das deutsche „Kommando Spezialkräfte“ (KSK), auch „Task Force 47“ genannt, am 6. März 2011 verhaftet und den Justiz-Behörden in Kabul übergeben werden. Er hatte zugegeben, bei dem Überfall dabei gewesen zu sein. Allerdings ließen ihn die afghanischen Sicherheitskräfte auf Anordnung eines Staatsanwaltes Mitte August 2011 wieder frei. – Dreiteiliges Foto: Oberfeldwebel Naef am Südwall in Dorsten (Foto oben: WAZ); Mitte: Naef im März 2010 mit Kameraden seiner Einheit in Afghanistan (Foto: privat); unten: Taliban feiern vor einem Fahrzeugwrack. Der mutmaßliche Drahtzieher (mit weißer Kopfbedeckung) umarmt einen Gefährten (Foto: Reuters).


Quellen:
Nach Ludger Böhne „Afghanistan knapp überlebt“ in WAZ (Panorama) vom 22. April 2011. –Martin Ahlers, Ludger Böhne, Armin Dille „Ich würde wieder nach Afghanistan gehen“ in WAZ vom 22. April 2011.

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