Abstinentenbund

Von Schülern des Gymnasium Petrinum im Jahr 1912 gegründet

Anfang des 20. Jahrhunderts nahm der Alkoholismus nicht nur in Deutschland rapide zu, sondern auch in Europa und in den Vereinigten Staaten. Dort führte dies zur Prohibition, in Deutschland zur Gründung von Abstinenzvereinen als Gegenbewegung zum Alkoholkonsum. Abstinenzvereine lassen sich auch heute noch in verschiedene Richtungen einteilen: die christliche Richtung (evangelisch: Blaues Kreuz, katholisch: Kreuzbund), die humanistische/pazifistische Richtung (Guttempler) und in die politische Richtung (Sozialistischer Abstinenz-Bund, Deutscher Arbeiter-Abstinenz-Bund). Daneben bestand der „Germania“-Abstinenzbund an deutschen Schulen von 1902, der sich aber schon 1918 wieder auflöste. Das Ideal des Bundes liest sich in einer Festschrift so: „In sich immer höhere Kräfte zu sittlichem Handeln zu erwecken, ist also Aufgabe dieser Selbsterziehungsarbeit, deren Erfüllung tiefstes Glücksgefühlt erweckt.“

Zeichen von Jugend- und Manneskraft

In Dorsten warb 1912 der Franziskanerpater Elpidius bei den Schülern des Gymnasium Petrinum für diese neue Bewegung und stieß auf große Resonanz. Gymnasialprofessor Haunerland gründete mit seinen Schülern den Abstinentenbund, dem sofort 50 Schüler beitraten. Gemessen an andere Schulvereine, die im Durchschnitt zwischen 20 und 30 Mitglieder hatten, waren 50 Jungen ein gutes Ergebnis. Der Verein erschöpfte sich keineswegs nur in der Ablehnung von Alkohol, sondern in der Enthaltsamkeit von schädlichen Genüssen überhaupt, um ein „Zeichen von Jugend- und Manneskraft“ zu setzen, wie Schulleiter Dr. Josef Wiedenhöfer schrieb:

„So war die Enthaltsamkeit nicht Endzweck, sondern Mittel zur Ausbildung einer geistigen und sittlichen Persönlichkeit. Der Verein lud zu geselligen Unterhaltungsabenden ein, auf denen gemeinschaftlich Lieder gesungen und musikalische Darbieten und Vorträge geboten wurden. Hierdurch und gemeinschaftliche Wanderungen wirkte der Verein der Abstinenten Gymnasiasten auf die ganze Schule, Wiedenhöfer. In der Kriegszeit des Ersten Weltkriegs nahm sich Studienrat Horsthemke dieser Schülergruppe an.“

Allerdings bestand der Verein nicht lange. Von allen Schulvereinen des Gymnasiums überlebten den Ersten Weltkrieg lediglich der Ruderverein und der Stenographenverein.

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