Wölfe / Nachrichten

Aufenthalt und Durchzüge im Wolfsgebiet Schermbeck und Umgebung

Immer mehr Wölfe werden getötet. Der Nabu hat eine wachsende Zahl an illegalen Tötungen von Wölfen beklagt. Mit dem Fund von drei erschossenen Tieren in Mecklenburg-Vorpommern sei 2021 ein neuer Höchststand an rechtswidrigen Wolfstötungen erreicht worden. Waren es 2020 demnach insgesamt acht Fälle, seien es seit Januar 2021 bereits elf. Hinzu komme vermutlich eine hohe Dunkelziffer. „Jede dieser Tötungen ist eine Straftat und muss strafrechtlich verfolgt werden“, betonte der Fachbereichsleiter Naturschutzpolitik des Nabu. „Diese kriminelle Selbstjustiz gegenüber streng geschützten Tieren muss Konsequenzen haben“, fügte er hinzu. Deutschland sei weiterhin meilenweit von einem guten Erhaltungszustand des Wolfs entfernt. Seit Rückkehr der Wölfe im Jahr 2000 seien insgesamt 64 Wölfe illegal getötet worden, Tendenz steigend (dpa).

Verwaltungsgericht fällt Urteil: Wölfin darf weiterleben. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat am 6. Mai 2021 über die Klage eines Hünxer Schäfers entschieden, der den Abschuss von Wölfin Gloria beantragt hatte. Das Urteil: Gloria darf nicht erschossen werden. Große Aufmerksamkeit erhielt die Verhandlung seitens der Medien, deren Vertreter zum Teil in einem separaten Raum untergebracht waren und über Lautsprecher der Verhandlung folgten. Entsprechend wurde über den Prozess auch in den überregionalen TV-Medien berichtet. Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende Richter aus, dass die Tötung oder andere Entnahmen von Wölfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSch.G) grundsätzlich verboten seien. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung setze voraus, dass dem Schäfer durch den Wolf ein ernster wirtschaftlicher Schaden drohe und es keine zumutbare Alternativen zur Entnahme des Tieres gebe. Die Kammer habe nicht die Überzeugung gewinnen können, dass der Schäfer auch in Zukunft mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit und der gebotenen Häufigkeit von Übergriffen der Wölfin „Gloria“ auf seine Herde betroffen sein werde, die einen ernsten wirtschaftlichen Schaden für ihn befürchten ließen. Aus der Klageschrift und den Aussagen der Beteiligten ging hervor, dass seit 2018 in elf Fällen Wölfin „Gloria“ die Schafherde des Schäfers heimgesucht hatte. Gegen das Urteil ist eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster möglich. Durch das Urteil sei ein Stück Rechtssicherheit erstanden, bewertete der Fachdienstes Naturschutz beim Kreis Wesel das Urteil. Landrat Ingo Brohl, der zuvor im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dr. Ansgar Müller den Abschuss der Wölfin „Gloria“ (GW954f) gefordert hatte, teilte mit, bei allen berechtigten persönlichen Sichtweisen und der vorhandenen Emotionalität, mit der die Diskussion um die Wölfin geführt werde, trage der Richterspruch hoffentlich zu einer gewissen Versachlichung bei (Quelle: Helmut Scheffler in DZ vom 7. Mai 2021).

Dorstener Schafzüchter gibt auf. Mitte September 2021 fand Schafhalter Heinz Heselmann aus Dorsten-Östrich auf einer Weide zwei seiner Schafe tot auf. Die Weide ist mit Knotengeflecht und Stacheldraht eingezäunt. Bei der ersten in Augenscheinnahme hat die Wolfsberaterin festgestellt, dass hier nicht nur ein Wolf am Werk war. Ein getötetes Schaf wies einen Kehlbiss auf, das zweite Tier war beinahe komplett abgefressen. Der Eigentümer will nun seine Schafhaltung aufgeben und seine Schafe verkaufen. Bereits Tage zuvor waren in Östrich zwei Schafe gerissen worden.

Wolfsgebiet: Pyrenäen-Berghunde schützen Gahlener Schafe. Am 1. Oktober 2021 wurde das Wolfsgebiet Schermbeck drei Jahre alt. Berufs- und Hobby-Schäfer haben in der Zeit gelernt, Schafe gegen Wolfsrisse zu schützen. Diese Erfahrungen sollen an andere weitergegeben werden. Ein Treffen am Donnerstag am Schafgehege der Familie Rittmann im Gahlener Heisterkamp befasste sich mit dem Thema „Sicherer grasen im Wolfsgebiet Schermbeck“. 100-prozentigen Herdenschutz gibt es nicht. Das Umweltministerium NRW informierte Ende August 2021, dass es seit dem 1. Oktober 2018 im Wolfsgebiet Schermbeck 159 Förderanträge für Herdenschutzmaßnahmen gab und weitere 100 Anträge in der Pufferzone Schermbeck. In ganz NRW waren es 941 Anträge.
Zäune liefern einen Grundschutz, wenn sie auf der gesamten Länge eine Höhe von 90 Zentimetern aufweisen. Als „empfohlener Schutz“ gelten Zäune mit einer Höhe von 1,20 Meter. Untergrabung sollte verhindert werden durch stromführende Litzen, vorgelegte Zäune oder durch das Eingraben der unteren Teile des Zaunes. Das ist jedoch sehr aufwändig. Material wird finanziert, der Arbeitsaufwand nicht.
Die Familie Rittmann hat Pyrenäen-Berghunde als Schutzhunde eingesetzt. Die Anschaffung eines solchen Hundes kostet etwa 6000 Euro. Wer 40 Mutterschafe hat, bekommt Anschaffungskosten für zwei Hunde zu 100 Prozent erstattet. Hinzu kommen aber nicht erstattete Kosten in Höhe von 1.800 bis 2.000 Euro pro Jahr für Futter, Versicherung oder tierärztliche Betreuung. Einige Tierschützer haben schon beim Kreisveterinäramt angerufen, um sich über die Lebensbedingungen der Hunde zu beschweren. Das ist jedoch unbegründet, weil die Herdenschutzhunde so leben wie die von ihnen betreuten Schafe. Bei Regen und Schnee reicht ihnen eine Hecke, ein Baum oder eine Strohmauer oder eine Häuserfront zum Schutz.

Wieder Schafe in Dorsten und Kirchhellen gerissen. Monatelang hatten Nutztierhalter im Wolfsgebiet Schermbeck Ruhe vor den Wölfen. Jetzt gab es wieder Risse in Dorsten und Kirchhellen. Die zeitlichen Abstände zwischen den Rissen werden immer kleiner. Am Hetkamp in Bottrop-Kirchhellen wurden Anfang September 2021 drei Schafe getötet und eines durch Kehlbiss verletzt – auf einer Wiese, die mit einem 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaun umzäunt war. Einen Tag zuvor waren zwei Schafe in Dorsten-Östrich an der Gahlener Straße tot aufgefunden worden, ebenfalls durvch Kehlbiss getötet. Auch wurden in diesen Tagen in Kirchhellen am Hetkamp ein Schaf durch einen solchen Biss getötet. Von März bis Mitte August 2021 gab es keine Wolfrisse, bis in den Augusttagen in Schermbeck vier Tiere (Damwild), in Gahlen ein Damwild, in Hünxe drei Schafe und on Gartop ein Schaf gerissen wurden.

Wolfsrüde in Haltern-Lavesum bestätigt . Noch ist Haltern Pufferzone des angrenzenden Wolfsgebiets Schermbeck. Dennoch ist der Wolf nun auch im Gebiet der Seestadt angekommen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat den Wolfsnachweis Mitte August 2021 in Haltern offiziell bestätigt. Ende Mai 2021 hatte ein Jäger das Tier gefilmt. Es folgten Bilder des Naturfotografen Christoph Henrich (Foto) im Bereich der Heubachwiesen in Lavesum. Mit Wildkameras wurden weitere Nachweise erbracht. Eine Anfang Juni 2021 gefundene Losung wurde einem Wolfsrüden mit der Kennung GW2347 zugeordnet. Vermutlich stammt er aus dem Rudel Werlte in Niedersachsen und ist 2020 geboren. Unklar ist, wo sich das Tier derzeit aufhält.

Nachwuchs für das Schermbecker Wolfsrudel: „Gloria“ hat einen Welpen. Ende Juni und Anfang Juli 2021 konnte auf Hünxer Gebiet jeweils ein wenige Wochen alter Welpe nachgewiesen werden. Im Jahr 2020 hatte sich das Rudel Schermbeck erstmals erfolgreich reproduziert und Wölfin GW954f, im Volksmund „Gloria“ genannt, ein Junges bekommen. Danach hatten sich die Nutztierrisse gehäuft, womöglich, weil die Eltern nun Nachwuchs „durchzufüttern“ hatten. Erst Anfang Mai hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Abschuss von Wölfin Gloria abgelehnt und damit die Haltung des LANUV gestärkt. Den Nutztierzüchtern in der Region bleiben weiterhin nur Präventionsmaßnahmen wie die Anschaffung wolfsabweisender Elektrozäune, die zu 100 Prozent gefördert werden (Quelle: DZ vom 14.Juli 2021).

Spaziergänger finden vermeintlichen „Hundewelpen“. Im Wolfsgebiet Schermbeck, genauer gesagt in Hünxe, waren die Spaziergänger Ende Juni auf einen verletzten und verdreckten Welpen gestoßen, den sie für einen Hund hielten. Sue nahmen ihn mit nach Hause, wuschen und fütterten ihn und brachten ihn zum Tierarzt. Der wurde misstrauisch und meldete den Fund dem Kreis Wesel. Mit Hilfe von Fotos wurde der „Hundewelpe“ als Wolf erkannt – und zwar als die die Tochter der Wölfin „Gloria“. Würde die junge Wölfin durch die zuständige Behörde am Auffindeort wieder ausgewildert, der ein bekannter „Sammelplatz“ des Wolfsrudels ist. Da Wolfswelpen einen ausgeprägten Eigengeruch und die Elterntiere über einen hervorragenden Geruchssinn verfügen, besteht nach Einschätzung der Experten die Chance, dass der Welpe von den Eltern gefunden und versorgt wird. In Kauf genommen wurde auch, dass die junge Wölfin nicht überlebt, wenn die Eltern das Jungtier nicht mehr annehmen. Die Wölfin „Gloria“ (GW954f) war zuletzt am 4. Juni 2021 durch einen Kotfund im Territorium genetisch nachgewiesen worden, der Wolfsrüde GW1587m am 7. Juni 2021 über den Fund eines Wildtierkadavers. Im Vorjahr 2020 hatte das Wolfspaar im Wolfsgebiet Schermbeck erstmals Nachwuchs. Auf Fotos war immer maximal ein Welpe abgebildet. Durch einen Kotfund vom 14. März 2021 in Hünxe konnte schließlich ein männlicher Welpe mit der Kennung GW2089m identifiziert werden. Es blieb der einzige genetische Nachweis dieses Welpen im Wolfsgebiet Schermbeck. Offensichtlich war der junge Wolfsrüde wenig später in Richtung Westen abgewandert. Er wurde nämlich zwischen dem 3. und 19. April 2021 mehrfach im belgischen Flandern nordöstlich von Antwerpen und dann am 24. April 2021 im niederländischen Nord-Trabant südlich von Rotterdam genetisch erfasst. Wölfe verlassen bis spätestens dem Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, manche mehrere hundert Kilometer weit (Quelle: Berthold Fehler in DZ vom 29. Juli 2021.

Glorias Verwandte zugezogen. Eine Verwandte der Wölfe aus dem Wolfsgebiet Schermbeck ist aus Niedersachsen kommend in Reken und Haltern nachgewiesen worden. Drei Losungsfunde konnte das Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen per genetischer Untersuchung eindeutig einer Wölfin aus dem Rudel Schneverdingen zuordnen. Die Nachweise erfolgten am 18. und 20. Mai bei Reken (Kreis Borken) sowie am 19. Juli bei Haltern am See (Kreis Recklinghausen). Das Tier des ersten Nachweises stammt aus dem Rudel Schneverdingen und trägt aus diesem Grund dasselbe genetische Merkmal wie die ebenfalls aus diesem Rudel stammenden Wölfe im Territorium Schermbeck. Es gab noch weitere Wolfsnachweise: Genetische Spuren eines Wolfes konnten ebenfalls an einem 18. Mai in Dülmen (Kreis Coesfeld) gefundenen Wildtierkadaver nachgewiesen werden. Dort war eine Individualisierung nicht möglich. Es liege aber sehr nahe, dass es sich um dieselbe Wölfin gehandelt haben könnte. Und dies gilt auch für die Aufnahmen am 26. Juni gegen Mitternacht mithilfe einer Fotofalle von einem Wolf auf dem Gebiet der Gemeinde Reken (Kreis Borken) gemacht wurden. Alter, Geschlecht und Identität des betreffenden Wolfes sind auf den Aufnahmen der Fotofalle nicht zu erkennen. Ausschließen kann man allerdings auch nicht, dass ein zweiter Wolf in der Zeit durch das Gebiet wanderte. Doch aufgrund der zeitlichen Nähe kann man eher davon aus, dass es sich um die Wölfin handelte. Im April 2018 wurde Wölfin Gloria erstmals in Schermbeck nach- und am 1. Oktober 2018 das Wolfsgebiet Schermbeck ausgewiesen. Dass ihr Bruder auch im Wolfsgebiet sesshaft wurde, meldete das LANUV im Mai 2020. Nun erscheint eine weitere Verwandte in der Region. Das wirft die Frage auf, warum mehrere Nachkommen des Rudels Schneverdingen die rund 250 Kilometer nach Südwesten auf sich nehmen, um in diese Region zu gelangen.
Wolfsnachweise, die über ein halbes Jahr einem bestimmten Wolf zugeordnet werden, können dazu führen, dass ein Wolfsgebiet ausgewiesen wird. Was würde also passieren, wenn ab November die Wölfin erneut in der Region nachgewiesen werden könnte? Bislang hat man seit dem 19. Juli keine weiteren Hinweise auf die Wölfin erhalten (Quelle: Berthold Fehmer in DZ vom 23. Okt. 2020).

Wölfin in Haltern nachgewiesen. Eine Wölfin war im Sommer 2020 m Bereich des Truppenübungsplatzes im Halterner Ortsteil Lavesum unterwegs. Das hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nachgewiesen und bestätigt. Aufgrund genetischer Untersuchungen mithilfe von Kotfunden konnte der weibliche Wolf nachgewiesen werden. Haltern gilt aktuell als Pufferzone des Wolfsgebiets Schermbeck. Dort waren im April 2018 Wölfin Gloria und im Mai 2020 ihr Bruder nachgewiesen worden.

Wird fortgeschrieben

Siehe auch: Wolfsjagden im Vest (Essay)
Siehe auch: Wolfsberater
Siehe auch: Wolfsland Schermbeck / Kirchhellen

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