Wölfe / Nachrichten

Aufenthalt und Durchzüge auf Schermbecker, Hünxer und Dorstener Gebiet

Zwei neue Wölfe am Niederrhein entdeckt – Bildung eines neuen Rudels möglich. Durch Kotspuren sind in Schermbeck bei Wesel zwei weitere Wölfe nachgewiesen worden. Die beiden Tiere – ein Männchen und ein Weibchen – stammten nicht von dem seit 2019 bekannten Schermbecker Wolfsrudel ab, teilte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) Ende August 2022 mit. Ob sich die beiden Wölfe in dem Gebiet fest ansiedeln und womöglich ein neues Rudel bilden, sei noch unklar, hieß es. Das bisherige Schermbecker Wolfsrudel mit mehreren Jungtieren sorgt seit längerer Zeit durch Attacken auf Nutztiere für Verunsicherung bei Schaf-, Ziegen- und Kleinpferdehaltern. Allein 2021 gab es NRW-weit nach früheren Angaben des Landesumweltministeriums rund 40 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, knapp die Hälfte davon durch das Wolfsrudel am Niederrhein.

August 2022: Zwei Schafe verendeten nach Attacke. Ein Schaf tot und eines so schwer verletzt, dass es eingeschläfert werden musste: Das ist die Bilanz eines mutmaßlichen Wolfangriffs in Hünxe-Bruckhausen. Gefunden wurden die Tiere laut der AG Wolf des Gahlener Bürgerforums am 20. August 2022 morgens auf einer Weide an der Dinslakener Straße in Hünxe-Bruckhausen. Das tote Kamerun-Schaf hatte nur 20 Meter von einem Wohngebäude entfernt gelegen – offenbar getötet durch einen Kehlbiss. Bei diesem hätten die hintere Hälfte und die Innereien komplett gefehlt. Das Schaf musste eingeschläfert werden. Bei einem weiteren Schaf war ein Hinterlauf angefressen und das Bauchfell aufgerissen. Auch es musste eingeschläfert werden. Für den Schafzüchter ist es jetzt das zweite Mal, dass seine Schafe angegriffen und getötet wurden. Das LANUV wurde informiert und entnahm Proben. Die Weide ist laut Bürgerforum mit flexiblem, 90 Zentimeter hohem, stromführenden Schafsgitter geschützt. Diese Einzäunung sei vom LANUV als ordnungsgemäßer Grundschutz zur Wolfsabwehr anerkannt worden. Aufgrund der Spuren ist davon auszugehen, dass mehrere Wölfe am Werk waren.

Gerissene Tiere der Flora-Welt: Ergebnis der Gen-Analyse liegt vor. Drei getötete Tiere wurden Mitte Juli 2022 an der FloraWelt vom Chef Tobias Hellerberg gefunden. Nun liegt das Ergebnis der Gen-Analyse vor. Zwei Mufflons und eine Ziege lagen tot im Gras. Ein Mufflon-Lamm war zur Hälfte aufgefressen. Schon da standen die Wölfe aus dem Wolfsgebiet Schermbeck im Verdacht. Wie immer in solchen Fällen wurden genetische Proben vom Senckenberg Institut untersucht: In den Proben wurde nicht nur der Haplotyp HW02 nachgewiesen, der für das Schermbecker Wolfsrudel charakteristisch ist, es gelang auch eine eindeutige Zuweisung, dass für die Risse Wölfin GW964f verantwortlich ist, die unter dem Namen „Gloria“ bekannt wurde. Zuvor waren bereits in zwei Fällen Gen-Spuren von Gloria in Kot- und Urinspuren in Hünxe nachgewiesen worden: am 8. und am 9. Juli 2022. Für Eckhard Vornbrock von der AG Wolf waren die Risse an der FloraWelt eine Besonderheit in der langen Vorgeschichte mit Wölfin Gloria: „Zum ersten Mal seit unseren Aufzeichnungen wurde erfolgreich ein Zaun untergraben und innerhalb des Geheges ein Wildzaun übersprungen.“ Der bezifferte Schaden: 3500 Euro.

Einen weiteren Wolfsnachweis meldet das LANUV nördlich von Reken. Dort wurde am 7. Mai 2022 gegen 18 Uhr ein Wolf beobachtet, der über ein Feld lief. Der Beobachtungsort wurde von einem Wolfsberater untersucht. Das Bildmaterial wurde vom LANUV und von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) geprüft. „Geschlecht, Identität und Verbleib des Wolfes sind nicht bekannt.“

Schaf in Kirchhellen gerissen. Auf einer Weide an der Münsterstraße in Bottrop-Kirchhellen war ein Schaf an einem frühen Morgen Mitte Februar 2022, etwa 85 Meter von einem Wohngebäude entfernt gefunden worden. Es hatte mit einer Herde von 10 Schafen auf der Weide gestanden. Ein Wolfsberater wurde informiert. Das Kamerun-Schaf wurde mit einem Kehlbiss gerissen und 10 Meter geschleift. Auf der Schleifspur waren Teile der Eingeweide verstreut. Die Hinterkeulen und der halbe Körper mit den Rippen, etwa 15 Kilo Fleisch,  waren aufgefressen. Es wäre der erste Schafsriss im Wolfsgebiet Schermbeck östlich der Autobahn 31. Bislang hatten die Wölfe fast ausschließlich Nutztiere im Bereich zwischen den Autobahnen 3 und 31 gerissen.

In Kirchhellen-Holthausen wurde Mitte Januar 2022 ein Shetlandpony mit lebensgefährlichen Verletzungen aufgefunden. Die Anzeichen sprachen für eine blutige Begegnung mit einem Wolf. Das schwer verletzte Tier hatte Wunden an Kehle, Keulen und Flanken. Das weiteres Pferd war unverletzt. Die Tiere standen etwa 40 Meter entfernt vom Wohnhaus auf einer Weide, geschützt von einem üblichen Weidezaun für Ponys, teilweise elektrifiziert. Nach der Erstversorgung durch einen Tierarzt wurde das Pony zur weiteren Behandlung in eine Tierklinik gebracht. Dort diagnostizierte eine Ärztin die lebensgefährlichen Verletzungen. Die gesicherten DNA-Proben werden beim LANUV untersucht. Dann wird man genau wissen, ob ein Wolf das Pony angegriffen hat. Bürgerforum und Veterinär gehen aufgrund der Bisswunden und der vorhandenen Wolfsfährten davon aus.

NRW will Wolfsabschüsse regeln – 40 Attacken auf Nutztiere gab es 2021. Da sich in dem niederrheinischen Wolfsgebiet bei Wesel-Schermbeck in jüngster Zeit Wolfsattacken auf Ponys gehäuft haben, werden dort ab 2022 Schutzzäune auch für Fohlen, Ponys und Jungpferde finanziell gefördert, so das Landwirtschaftsministerium im Dezember 2021. Außerdem sollen Herdenschutzanträge künftig von der Landwirtschaftskammer NRW bearbeitet werden, um die Verfahren zu straffen. 2021 seien Weidetierhalter NRW-weit bereits mit 1,5 Millionen Euro für Schutzzäune und Hütehunde unterstützt worden. 2022 seien weitere Mittel geplant – nach früheren Angaben des Ministeriums allein bis zu sieben Millionen für den Schutz von Pferdehaltungen. Laut NRW-Landwirtschaftsministerium gab es NRW-weit 2021 rund 40 Angriffe von Wölfen auf Nutztiere, knapp die Hälfte davon durch das Wolfsrudel am Niederrhein. In der Mehrzahl der Fälle sei aber kein ausreichender Schutz gegen Wölfe vorhanden gewesen, erklärte das Ministerium.

Zahl frei lebender Wölfe in Deutschland wächst – 157 Rudel. In Deutschland ist die Zahl der freilebenden Wölfe weiter gestiegen. Im Untersuchungszeitraum 2020/2021 zählten die Behörden in den Ländern insgesamt 157 Rudel, wie das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bekannt gab. Das waren 26 Rudel mehr als im Vergleichszeitraum 2019/2020 mit 131 Wolfsrudeln. Mindestens 403 erwachsene Wölfe lebten in den Gebieten. Neben den Rudeln wurden bundesweit 27 Wolfspaare und 19 sesshafte Einzeltiere bestätigt. Die Zahl der Wolfspaare halbierte sich damit, die Zahl der Einzeltiere lag über jenen des vorherigen Beobachtungszeitraums. Damals waren 45 Paare und neun ortstreue Einzelwölfe registriert worden. Nach wie vor lebt der Großteil der Wölfe in einem breiten Streifen von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen nachgewiesen. Die meisten Wolfsrudel lebten im Beobachtungszeitraum zwischen Mai 2020 und April 2021 in Brandenburg (49), gefolgt von Niedersachsen (35) und Sachsen (29). Die Periode deckt sich mit einem biologischen Wolfsjahr von der Geburt der Welpen bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Insgesamt 138 Wölfe wurden in dem Untersuchungszeitraum tot aufgefunden. Davon verendeten 107 durch Verkehrsunfälle. Bei 13 Wölfen war die Todesursache natürlichen Ursprungs, neun Wölfe wurden illegal getötet (AFP).

Gerissenes Pony im Wolfsgebiet: Ergebnis der DNA-Analyse liegt vor. Vier Kleinpferde wurden vom 11. Oktober bis zum 3. November 2021 in Hünxe getötet, eines verletzt. Das Ergebnis der DNA-Analyse des jüngsten Falls stand bis jetzt noch aus. Bei den gerissenen Kleinpferden hatte die Untersuchung der DNA in zwei Fällen ergeben, dass der Bruder von Wölfin „Gloria“ erstmals als Verursacher „überführt“ wurde: Ein Pony hat er am 20. Oktober 2021 gerissen, eines am 21. Oktober verletzt. Für die Pony-Risse am 11. und 22. Oktober konnte das Senckenberg-Institut zwar feststellen, dass ein Wolf beteiligt war, aber nicht sagen, welcher Wolf die Ponys tötete. „Die Frage einer Entnahme ist erneut zu stellen, wenn die Wölfin GW954f an dem Vorfall beteiligt war und die Gefahr besteht, dass verstärkt Pferde Opfer von Übergriffen werden“, hatte Umweltministerin Ursula Heinen-Esser bereits Mitte Oktober gesagt und ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Dieses kam allerdings zum Schluss, dass eine rechtssichere Entnahme von Wölfen nicht möglich sei, da es zumutbare Alternativen gebe. Die jüngste DNA-Analyse könnte die Diskussion allerdings erneut entfachen. Denn das Senckenberg-Institut konnte den Riss des Ponys, das am 3. November an der Wilhelmstraße in Hünxe gefunden wurde, eindeutig „Gloria“ zuordnen. Indes hat das LANUV einen jungen männlichen Wolf in der Nähe nachgewiesen. GW2347m ist die Kennzeichnung für einen Wolf, der am 5. Juni 2021 erstmals durch eine Losung identifiziert wurde und nun erneut an einem gerissenen Rotwildkalb in Haltern nachgewiesen wurde. Es bleibt abzuwarten, ob der Wolf im Gebiet bleiben wird oder weiterzieht (Quelle: Berthold Fehmer in DZ vom 1. Dez. 2021).

Wolfsfamilie erneut auf der Hardt in Dorsten gesichtet. Beim abendlichen Kontrollgang mit der Taschenlampe zu ihrem Tieren –Pferde, Ziegen, Hühner – sahen Tammy Neumann und Stefan Wende am 22. November 2021 auf der Wiese nahe des Storchennestes auf der Hardt drei Wölfe, was die Beobachtung des Dorstener Buchhändlers vom Ende Oktober an der Fährstraße bestätigte. Mit dem leuchten der Taschenlampen und mit Rufen versuchten sie die Wölfe zu vertreiben, die allerdings nur zu ihnen hinsahen. Peter Neumann lief wenig später sogar hinter den Raubtieren her, um sie zu vertreiben. Irgendwann trollte sich die Wolfsfamilie, „aber eilig hatte sie es nicht“.

Wolfsfamilie unweit einer Dorsten-Hardter Wohnsiedlung gesehen. Als der Dorstener Buchhändler Apolonius Parrenin an einem Tag im Oktober 2021 nachmittags in seinen Garten unweit seines Wohnhauses auf der Hardt ging, sah er in der aufkommenden Dämmerung im 100 Metern Entfernung drei Wölfe. „Ein Wolf ging voran, zwei weitere folgten ihm“, schildert der Familienvater seine etwa fünfminütige Beobachtung. Er geht davon aus, dass es sich um die Wölfin Gloria und möglicherweise zwei Jungen handelte. „Als ein Auto über die Fährstraße fuhr, gingen die Wölfe in Deckung und legten sich platt auf die Wiese“, schildert er seine Beobachtungen, die er Ende Oktober auch auf seiner Facebook-Seite teilte. Danach zog die Wolfsfamilie weiter Richtung erstes Wohnhaus und verschwand dann aus seinem Blickfeld. Seit diesem Tag hat der Buchhändler „eine Menge Resonanz“ bekommen, wie er sagt. Nachbarn und Bekannte meldeten sich bei Apolonius Parrenin, diskutierten mit ihm das Für und Wider einer „Wolfsentnahme“ (Tötung). Bislang galt die Autobahn 31 als Grenze, die das Rudel möglicherweise noch nie überschritten hat. Jetzt aber schon (Quelle: DZ vom 23. Nov. 2021).

Kein Töten der Wölfe nach Übergriffe auf Kleinpferde. Das Umweltministerium hat die Ergebnisse der Gen-Analysen nach Pony-Rissen in Hünxe veröffentlicht. Am 11., 20. und am 22. Oktober 2021 wurde jeweils ein Pony gerissen, ein weiteres wurde am 21. Oktober am Hinterlauf verletzt. In allen Fällen gab es keine wolfsabweisenden Zäune. Durch Genetikproben konnten in allen vier Fällen Wölfe als Verursacher nachgewiesen werden. Ebenso die Übergriffe am 20. und 21. Oktober erstmals der männliche Wolf GW1587m als Verursacher nachgewiesen. Sechs Wölfe, vermutlich zwei Elterntiere und vier fast erwachsene Welpen, soll es laut Ministerium im Wolfsgebiet Schermbeck geben. Weitere Gen-Analysen weiterer Rissproben vom 29. Oktober und 3. November sind noch in der Bearbeitung. Die Übergriffe auf Kleinpferde hatten das Umweltministerium bewegt, ein Rechtsgutachten in Auftrag zu geben. Dieses kommt zum Ergebnis, dass „davon ausgegangen werden (kann), dass zumutbare Alternativen zur Tötung der Wölfin bzw. des Rudels vorhanden sind“. Das heißt: Ein Abschuss von Wölfen im Wolfsgebiet Schermbeck ist auch aktuell weiterhin nicht rechtssicher möglich. So hatte es auch das Düsseldorfer Verwaltungsgericht gesehen. Herdenschutzmaßnahmen seien „zumutbare Alternativen“, so das Ministerium. Halter von Kleinpferden sollen nun finanziell unterstützt werden, ihre Tiere besser vor Wolfsübergriffen zu schützen. Der Schutz der Pferde im Wolfsgebiet Schermbeck soll laut Schätzung des Umweltministeriums 7,5 Millionen Euro kosten. Präventionsmaßnahmen und Entschädigungen bei Wolfsrissen werden immer teurer. NRW-weit wurden 2018 rund 26.000 Euro, 2019 rund 895.000 Euro und 2020 rund 1,6 Millionen Euro ausgezahlt. Mit Stand von Oktober 2021 sind es im Jahr 2021 rund 1,35 Millionen Euro.

Rechtsgutachten soll Wolfs-Entnahme prüfen. Erneut am 3. November 2021 ein gerissenes Pony in Hünxe entdeckt worden. Das NRW-Umweltministerium hat ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Das Gutachten soll klären, ob ein Wolf als verhaltensauffällig gelten und zur „Entnahme“, sprich Abschuss, freigegeben werden muss. Wölfin Gloria, auf deren Konto die meisten Risse in dem Gebiet gehen sollen, wird vom Ministerium nicht namentlich erwähnt. Im Oktober waren drei Ponys getötet und ein Kleinpferd verletzt worden. Nachgewiesen wurde die Beteiligung eines Wolfs, nicht die von Gloria. Die Förderung von Schutzmaßnahmen gegen den Wolf soll auf Pferde und Kleinpferde ausgeweitet werden. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte eine Entnahme der Wölfin Gloria im Mai abgelehnt. Auch mit Blick auf das Gutachten, dass im Februar 2021 von der der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf vorgelegt wurde. Dieses Gutachten kam zum Schluss, dass eine Verhaltensauffälligkeit nicht vorliege. Wenn sich Übergriffe auf ausreichend geschützte Weidetiere verstetigten, sei eine Entnahme des Wolfs in Betracht zu ziehen, so das Gutachten (B. Fehmer/dpa).

Attacke auf trächtiges Schaf – Schäfer fordern Jagd auf Wölfe. Ende Oktober 2021 hat ein Wolf erneut ein Schaf mit einem typischen Kehlbiss gerissen, obwohl der betroffene Schafhalter alle Schutzempfehlungen eingehalten hatte. Der NRW-Schafzuchtverband fordert dringend eine Erlaubnis für die Jagd auf das ansässige Wolfsrudel. Der betroffene Schafhalter aus Hünxe hatte im Mai bereits vergeblich auf eine Abschussgenehmigung für „Gloria“ geklagt. Obwohl der Schäfer bis zu diesem Zeitpunkt bereits 29 Tiere – mehr als ein Viertel seiner Herde – eingebüßt hatte, lehnte das Verwaltungsgericht Düsseldorf die Forderung ab. Das Gericht bezweifelte, dass dem Schäfer in Zukunft ernsthafter Schaden drohe. Das Wolfsrudel am Niederrhein war laut Landesumweltamt entstanden, nachdem sich ein Wolfsrüde zu der Wölfin „Gloria“ gesellt und mit ihr ein Junges gezeugt hatte. Es sei auch möglich, dass bald weitere Wölfe auf Wanderschaft das Wolfsgebiet Schermbeck entdecken könnten, hatte ein Sprecher der Behörde bei der Gerichtsverhandlung im Mai gesagt (dpa).

Immer mehr Wölfe werden getötet. Der Nabu hat eine wachsende Zahl an illegalen Tötungen von Wölfen beklagt. Mit dem Fund von drei erschossenen Tieren in Mecklenburg-Vorpommern sei 2021 ein neuer Höchststand an rechtswidrigen Wolfstötungen erreicht worden. Waren es 2020 demnach insgesamt acht Fälle, seien es seit Januar 2021 bereits elf. Hinzu komme vermutlich eine hohe Dunkelziffer. „Jede dieser Tötungen ist eine Straftat und muss strafrechtlich verfolgt werden“, betonte der Fachbereichsleiter Naturschutzpolitik des Nabu. „Diese kriminelle Selbstjustiz gegenüber streng geschützten Tieren muss Konsequenzen haben“, fügte er hinzu. Deutschland sei weiterhin meilenweit von einem guten Erhaltungszustand des Wolfs entfernt. Seit Rückkehr der Wölfe im Jahr 2000 seien insgesamt 64 Wölfe illegal getötet worden, Tendenz steigend (dpa).

Wolfsgebiet: Pyrenäen-Berghunde schützen Gahlener Schafe. Am 1. Oktober 2021 wurde das Wolfsgebiet Schermbeck drei Jahre alt. Berufs- und Hobby-Schäfer haben in der Zeit gelernt, Schafe gegen Wolfsrisse zu schützen. Diese Erfahrungen sollen an andere weitergegeben werden. Ein Treffen am Donnerstag am Schafgehege der Familie Rittmann im Gahlener Heisterkamp befasste sich mit dem Thema „Sicherer grasen im Wolfsgebiet Schermbeck“. 100-prozentigen Herdenschutz gibt es nicht. Das Umweltministerium NRW informierte Ende August 2021, dass es seit dem 1. Oktober 2018 im Wolfsgebiet Schermbeck 159 Förderanträge für Herdenschutzmaßnahmen gab und weitere 100 Anträge in der Pufferzone Schermbeck. In ganz NRW waren es 941 Anträge.
Zäune liefern einen Grundschutz, wenn sie auf der gesamten Länge eine Höhe von 90 Zentimetern aufweisen. Als „empfohlener Schutz“ gelten Zäune mit einer Höhe von 1,20 Meter. Untergrabung sollte verhindert werden durch stromführende Litzen, vorgelegte Zäune oder durch das Eingraben der unteren Teile des Zaunes. Das ist jedoch sehr aufwändig. Material wird finanziert, der Arbeitsaufwand nicht.
Die Familie Rittmann hat Pyrenäen-Berghunde als Schutzhunde eingesetzt. Die Anschaffung eines solchen Hundes kostet etwa 6000 Euro. Wer 40 Mutterschafe hat, bekommt Anschaffungskosten für zwei Hunde zu 100 Prozent erstattet. Hinzu kommen aber nicht erstattete Kosten in Höhe von 1.800 bis 2.000 Euro pro Jahr für Futter, Versicherung oder tierärztliche Betreuung. Einige Tierschützer haben schon beim Kreisveterinäramt angerufen, um sich über die Lebensbedingungen der Hunde zu beschweren. Das ist jedoch unbegründet, weil die Herdenschutzhunde so leben wie die von ihnen betreuten Schafe. Bei Regen und Schnee reicht ihnen eine Hecke, ein Baum oder eine Strohmauer oder eine Häuserfront zum Schutz.

Dorstener Schafzüchter gibt auf. Mitte September 2021 fand Schafhalter Heinz Heselmann aus Dorsten-Östrich auf einer Weide zwei seiner Schafe tot auf. Die Weide ist mit Knotengeflecht und Stacheldraht eingezäunt. Bei der ersten in Augenscheinnahme hat die Wolfsberaterin festgestellt, dass hier nicht nur ein Wolf am Werk war. Ein getötetes Schaf wies einen Kehlbiss auf, das zweite Tier war beinahe komplett abgefressen. Der Eigentümer will nun seine Schafhaltung aufgeben und seine Schafe verkaufen. Bereits Tage zuvor waren in Östrich zwei Schafe gerissen worden.

Wieder Schafe in Dorsten und Kirchhellen gerissen. Monatelang hatten Nutztierhalter im Wolfsgebiet Schermbeck Ruhe vor den Wölfen. Jetzt gab es wieder Risse in Dorsten und Kirchhellen. Die zeitlichen Abstände zwischen den Rissen werden immer kleiner. Am Hetkamp in Bottrop-Kirchhellen wurden Anfang September 2021 drei Schafe getötet und eines durch Kehlbiss verletzt – auf einer Wiese, die mit einem 1,20 Meter hohen Maschendrahtzaun umzäunt war. Einen Tag zuvor waren zwei Schafe in Dorsten-Östrich an der Gahlener Straße tot aufgefunden worden, ebenfalls durvch Kehlbiss getötet. Auch wurden in diesen Tagen in Kirchhellen am Hetkamp ein Schaf durch einen solchen Biss getötet. Von März bis Mitte August 2021 gab es keine Wolfrisse, bis in den Augusttagen in Schermbeck vier Tiere (Damwild), in Gahlen ein Damwild, in Hünxe drei Schafe und on Gartop ein Schaf gerissen wurden.

Wolfsrüde in Haltern-Lavesum bestätigt . Noch ist Haltern Pufferzone des angrenzenden Wolfsgebiets Schermbeck. Dennoch ist der Wolf nun auch im Gebiet der Seestadt angekommen. Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat den Wolfsnachweis Mitte August 2021 in Haltern offiziell bestätigt. Ende Mai 2021 hatte ein Jäger das Tier gefilmt. Es folgten Bilder des Naturfotografen Christoph Henrich (Foto) im Bereich der Heubachwiesen in Lavesum. Mit Wildkameras wurden weitere Nachweise erbracht. Eine Anfang Juni 2021 gefundene Losung wurde einem Wolfsrüden mit der Kennung GW2347 zugeordnet. Vermutlich stammt er aus dem Rudel Werlte in Niedersachsen und ist 2020 geboren. Unklar ist, wo sich das Tier derzeit aufhält.

Nachwuchs für das Schermbecker Wolfsrudel: „Gloria“ hat einen Welpen. Ende Juni und Anfang Juli 2021 konnte auf Hünxer Gebiet jeweils ein wenige Wochen alter Welpe nachgewiesen werden. Im Jahr 2020 hatte sich das Rudel Schermbeck erstmals erfolgreich reproduziert und Wölfin GW954f, im Volksmund „Gloria“ genannt, ein Junges bekommen. Danach hatten sich die Nutztierrisse gehäuft, womöglich, weil die Eltern nun Nachwuchs „durchzufüttern“ hatten. Erst Anfang Mai hatte das Verwaltungsgericht Düsseldorf den Abschuss von Wölfin Gloria abgelehnt und damit die Haltung des LANUV gestärkt. Den Nutztierzüchtern in der Region bleiben weiterhin nur Präventionsmaßnahmen wie die Anschaffung wolfsabweisender Elektrozäune, die zu 100 Prozent gefördert werden (Quelle: DZ vom 14.Juli 2021).

Spaziergänger finden vermeintlichen „Hundewelpen“. Im Wolfsgebiet Schermbeck, genauer gesagt in Hünxe, waren die Spaziergänger Ende Juni auf einen verletzten und verdreckten Welpen gestoßen, den sie für einen Hund hielten. Sue nahmen ihn mit nach Hause, wuschen und fütterten ihn und brachten ihn zum Tierarzt. Der wurde misstrauisch und meldete den Fund dem Kreis Wesel. Mit Hilfe von Fotos wurde der „Hundewelpe“ als Wolf erkannt – und zwar als die die Tochter der Wölfin „Gloria“. Würde die junge Wölfin durch die zuständige Behörde am Auffindeort wieder ausgewildert, der ein bekannter „Sammelplatz“ des Wolfsrudels ist. Da Wolfswelpen einen ausgeprägten Eigengeruch und die Elterntiere über einen hervorragenden Geruchssinn verfügen, besteht nach Einschätzung der Experten die Chance, dass der Welpe von den Eltern gefunden und versorgt wird. In Kauf genommen wurde auch, dass die junge Wölfin nicht überlebt, wenn die Eltern das Jungtier nicht mehr annehmen. Die Wölfin „Gloria“ (GW954f) war zuletzt am 4. Juni 2021 durch einen Kotfund im Territorium genetisch nachgewiesen worden, der Wolfsrüde GW1587m am 7. Juni 2021 über den Fund eines Wildtierkadavers. Im Vorjahr 2020 hatte das Wolfspaar im Wolfsgebiet Schermbeck erstmals Nachwuchs. Auf Fotos war immer maximal ein Welpe abgebildet. Durch einen Kotfund vom 14. März 2021 in Hünxe konnte schließlich ein männlicher Welpe mit der Kennung GW2089m identifiziert werden. Es blieb der einzige genetische Nachweis dieses Welpen im Wolfsgebiet Schermbeck. Offensichtlich war der junge Wolfsrüde wenig später in Richtung Westen abgewandert. Er wurde nämlich zwischen dem 3. und 19. April 2021 mehrfach im belgischen Flandern nordöstlich von Antwerpen und dann am 24. April 2021 im niederländischen Nord-Trabant südlich von Rotterdam genetisch erfasst. Wölfe verlassen bis spätestens dem Ende des zweiten Lebensjahres das elterliche Rudel und wandern dann weit umher, manche mehrere hundert Kilometer weit (Quelle: Berthold Fehler in DZ vom 29. Juli 2021.

Glorias Verwandte zugezogen. Eine Verwandte der Wölfe aus dem Wolfsgebiet Schermbeck ist aus Niedersachsen kommend in Reken und Haltern nachgewiesen worden. Drei Losungsfunde konnte das Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen per genetischer Untersuchung eindeutig einer Wölfin aus dem Rudel Schneverdingen zuordnen. Die Nachweise erfolgten am 18. und 20. Mai bei Reken (Kreis Borken) sowie am 19. Juli bei Haltern am See (Kreis Recklinghausen). Das Tier des ersten Nachweises stammt aus dem Rudel Schneverdingen und trägt aus diesem Grund dasselbe genetische Merkmal wie die ebenfalls aus diesem Rudel stammenden Wölfe im Territorium Schermbeck. Es gab noch weitere Wolfsnachweise: Genetische Spuren eines Wolfes konnten ebenfalls an einem 18. Mai in Dülmen (Kreis Coesfeld) gefundenen Wildtierkadaver nachgewiesen werden. Dort war eine Individualisierung nicht möglich. Es liege aber sehr nahe, dass es sich um dieselbe Wölfin gehandelt haben könnte. Und dies gilt auch für die Aufnahmen am 26. Juni gegen Mitternacht mithilfe einer Fotofalle von einem Wolf auf dem Gebiet der Gemeinde Reken (Kreis Borken) gemacht wurden. Alter, Geschlecht und Identität des betreffenden Wolfes sind auf den Aufnahmen der Fotofalle nicht zu erkennen. Ausschließen kann man allerdings auch nicht, dass ein zweiter Wolf in der Zeit durch das Gebiet wanderte. Doch aufgrund der zeitlichen Nähe kann man eher davon aus, dass es sich um die Wölfin handelte. Im April 2018 wurde Wölfin Gloria erstmals in Schermbeck nach- und am 1. Oktober 2018 das Wolfsgebiet Schermbeck ausgewiesen. Dass ihr Bruder auch im Wolfsgebiet sesshaft wurde, meldete das LANUV im Mai 2020. Nun erscheint eine weitere Verwandte in der Region. Das wirft die Frage auf, warum mehrere Nachkommen des Rudels Schneverdingen die rund 250 Kilometer nach Südwesten auf sich nehmen, um in diese Region zu gelangen.
Wolfsnachweise, die über ein halbes Jahr einem bestimmten Wolf zugeordnet werden, können dazu führen, dass ein Wolfsgebiet ausgewiesen wird. Was würde also passieren, wenn ab November die Wölfin erneut in der Region nachgewiesen werden könnte? Bislang hat man seit dem 19. Juli keine weiteren Hinweise auf die Wölfin erhalten (Quelle: Berthold Fehmer in DZ vom 23. Okt. 2020).

Verwaltungsgericht fällt Urteil: Wölfin darf weiterleben. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat am 6. Mai 2021 über die Klage eines Hünxer Schäfers entschieden, der den Abschuss von Wölfin Gloria beantragt hatte. Das Urteil: Gloria darf nicht erschossen werden. Große Aufmerksamkeit erhielt die Verhandlung seitens der Medien, deren Vertreter zum Teil in einem separaten Raum untergebracht waren und über Lautsprecher der Verhandlung folgten. Entsprechend wurde über den Prozess auch in den überregionalen TV-Medien berichtet. Zur Begründung des Urteils führte der Vorsitzende Richter aus, dass die Tötung oder andere Entnahmen von Wölfen nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSch.G) grundsätzlich verboten seien. Die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung setze voraus, dass dem Schäfer durch den Wolf ein ernster wirtschaftlicher Schaden drohe und es keine zumutbare Alternativen zur Entnahme des Tieres gebe. Die Kammer habe nicht die Überzeugung gewinnen können, dass der Schäfer auch in Zukunft mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit und der gebotenen Häufigkeit von Übergriffen der Wölfin „Gloria“ auf seine Herde betroffen sein werde, die einen ernsten wirtschaftlichen Schaden für ihn befürchten ließen. Aus der Klageschrift und den Aussagen der Beteiligten ging hervor, dass seit 2018 in elf Fällen Wölfin „Gloria“ die Schafherde des Schäfers heimgesucht hatte. Gegen das Urteil ist eine Berufung beim Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster möglich. Durch das Urteil sei ein Stück Rechtssicherheit erstanden, bewertete der Fachdienstes Naturschutz beim Kreis Wesel das Urteil. Landrat Ingo Brohl, der zuvor im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dr. Ansgar Müller den Abschuss der Wölfin „Gloria“ (GW954f) gefordert hatte, teilte mit, bei allen berechtigten persönlichen Sichtweisen und der vorhandenen Emotionalität, mit der die Diskussion um die Wölfin geführt werde, trage der Richterspruch hoffentlich zu einer gewissen Versachlichung bei (Quelle: Helmut Scheffler in DZ vom 7. Mai 2021).

Wölfin in Haltern nachgewiesen. Eine Wölfin war im Sommer 2020 m Bereich des Truppenübungsplatzes im Halterner Ortsteil Lavesum unterwegs. Das hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz nachgewiesen und bestätigt. Aufgrund genetischer Untersuchungen mithilfe von Kotfunden konnte der weibliche Wolf nachgewiesen werden. Haltern gilt aktuell als Pufferzone des Wolfsgebiets Schermbeck. Dort waren im April 2018 Wölfin Gloria und im Mai 2020 ihr Bruder nachgewiesen worden.

Wird fortgeschrieben

Siehe auch: Wolfsjagden im Vest (Essay)
Siehe auch: Wolfsberater
Siehe auch: Wolfsland Schermbeck / Kirchhellen

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