Telefonseelsorge

Vom Streit mit Nachbarn über Beziehungsstress bis hin zu Suizid-Gedanken

Die Telefonseelsorge ist ein Seelsorgeangebot in Verantwortung der Evangelischen und der katholischen Kirche. Sie ist telefonisch aus dem deutschen Festnetz und dem Mobilfunknetz rund um die Uhr unter den bundeseinheitlichen gebührenfreien Rufnummern 0800 1110111 (evangelisch) und 0800 1110222 (katholisch) sowie 116123 erreichbar, außerdem im Internet per Webmail und Chat über www.telefonseelsorge.de. Als einzige Einrichtung in Deutschland bietet sie Tag und Nacht ein telefonisches Gesprächsangebot für Menschen in Krisen an. So ist auch die Telefonseelsorge für Dorstener in Recklinghausen eine Einrichtung der evangelischen und katholischen Kirche. Sie ist zuständig für 600.000 Bürgerinnen und Bürger im Kreis Recklinghausen. Die Beratungsarbeit am Telefon wird von über 70 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleistet. Verantwortlich für die Arbeit sind: Pfarrerin Gunhild Vestner (Leiterin), Pastoralreferent Matthias Mamot (stellvertretender Leiter) und Christa Bischoff (stellvertretende Leiterin). Die Aus- und Weiterbildung der ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater wird geleistet von der Leitung und zurzeit von acht Supervisorinnen und Therapeuten (Stand: 2017).

Anruf-Statistik Recklinghausen: Über 16.000 Anrufe im Jahr

Zeitschriftentitel

In 2016 erreichten die Telefonseelsorge Recklinghausen 16.081 Anrufe, die zu 10.126 Seelsorge- und Beratungsgesprächen geführt haben. Die meisten Anruferinnen und Anrufer wollen sich vor allem durch das Gespräch entlasten (55 %). Viele suchen Unterstützung bei der Klärung von Problemen (11 %). Immer mehr Anruferinnen und Anrufer leiden unter einem Alltag, der sie überfordert. Sie suchen bei der Telefonseelsorge Begleitung und Orientierung für ihren Alltag (27 %). Zwei bis dreimal am Tag suchen Anrufer Hilfe, weil sie in einer akuten Krise stecken. Dabei geht es auch um konkrete Suizidabsichten. Bei jedem vierten Anruf kam kein Gespräch zustande; manchmal brauchte ein Anrufer mehrere Anläufe bevor er den Mut fand, das Gespräch zu beginnen. Häufig wurden die Telefonseelsorgerinnen und Telefonseelsorger lediglich provoziert oder die Anrufer suchten sexuelle Stimulierung. 11 % der Anrufe entsprachen nicht dem Auftrag der Telefonseelsorge. Viele Anruferinnen und Anrufer setzten sich mit Beziehungskonflikten auseinander: Partnerschaftsfragen (13 %), Konflikte in der Familie (17 %); Stress mit Freunden und Nachbarn (10 %); Krankheit und Einsamkeit war Thema in vielen Gesprächen: Psychische Erkrankungen (30 %), depressive Stimmungen (19 %), Ängste (11 %), Leiden unter Einsamkeit (15 %), 786 Suizid-Gespräche (8 %).

927 Chat-Beratungen mit meist jungen Menschen im Jahr 2016

Zeitschriftentitel

Die Telefonseelsorge Recklinghausen bietet seit Januar 2008 im Internet Seelsorge und Beratung an. Seit 2010 gehört die Chatberatung zum festen Angebot der Telefonseelsorge Recklinghausen. Die 24 speziell für die Chatberatung ausgebildeten ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Recklinghausen arbeiten mit einem Kommunikationsmedium, das überwiegend junge Menschen und vor allem Frauen nutzen. Sie suchen Unterstützung und Beratung in belastenden Alltagssituationen und persönlichen Krisen. Die Auswertung von 927 Chat-Beratungen, die 2016 in der Telefonseelsorge Recklinghausen durchgeführt wurden, zeigt ein deutlich eigenständiges Profil des Seelsorgeangebotes im Chat. 90 % aller Kontakte sind Seelsorge- und Beratungsgespräche – der Anteil ist höher als am Telefon. 72 % der Ratsuchenden sind Frauen, 24 % Männer. Die meisten Ratsuchenden sind unter 30 Jahre. Schwerpunkt der Beratungsgespräche sind Konflikte in Familie und Partnerschaft (32 %). Viele leiden unter depressiven Stimmungen (20 %), Ängsten (20 %) oder selbstverletzendem Verhalten (7 %). Fast jede fünfte Ratsuchende thematisiert eine psychische Erkrankung. Viele der Ratsuchenden leiden unter den Gedanken an Selbsttötung (18 %). Über Schwierigkeiten mit der Sexualität spricht fast jede zehnte Ratsuchende. Häufig wird in dem Zusammenhang von den Verletzungen durch sexualisierte Gewalt gesprochen. In jedem achten Gespräch werden Ausbildung und Arbeit angesprochen. Anonymität und Datenschutz werden penibel beachtet.

In Deutschland gibt es seit 1956 Telefonseelsorge

Drei Jahre nach der ersten Telefonseelsorge in London gründete sich in Deutschland 1956 die Telefonseelsorge Berlin, es folgten Kassel und Frankfurt am Main 1957. In Deutschland haben sich zwei Dachverbände der beiden Konfessionen entwickelt: die evangelische und die katholische „Konferenz für Telefonseelsorge und Offene Tür“, die in der gemeinsamen evangelisch-katholischen Kommission die Zusammenarbeit der 105 deutschen (davon 66 ökumenischen) Telefonseelsorge-Stellen organisieren. Nach Angaben der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge in Berlin nutzten im Jahr 2009 rund zwei Millionen Anrufer und Anruferinnen die Telefonseelsorge in Deutschland. Als Medium der Telefonseelsorge gibt es seit 1984 die Fachzeitschrift „Auf Draht“. Die 18-monatige Ausbildung zur ehrenamtlichen Telefonseelsorgerin findet in den Stellen vor Ort entsprechend den Rahmenrichtlinien der Dachverbände statt. Vor der Ausbildung wird ein Auswahlverfahren durchgeführt, das Einzelgespräche und Gruppenverfahren enthalten kann.


Quellen: Website Telefonseelsorge Recklinghausen. – Wikipedia (Aufruf „Telefonseelsorge“, 2017).

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