Schwule und Lesben

Sexuelle Orientierung in der Gesellschaft öffentlich noch nicht tabufrei

Ampelmännchen in München

Ab 2006 trafen sich in Dorsten Schwule und Lesben 14-tägig in der Gaststätte „Tapas“ (früher Haifischbar; heute Stadtteil-Büro) zu einem Stammtisch. – Schwule und Lesben waren daher in der Dorstener Öffentlichkeit nicht (mehr) präsent. Der Grund ist nicht bekannt. 2012 trat die gebürtige Essenerin Silke Meinert, die mit ihrer Partnerin und Hund seit Jahren in Dorsten lebt, an die Öffentlichkeit. „Für Lesben hat Dorsten jedoch eher wenig zu bieten. Am wenigsten Lesben selbst“, sagt sie. Daher geht ihr Blick mehr ins Ruhrgebiet. Die seit fünf Jahren selbstständige Reiseveranstalterin bietet mit „travel4queers“ Aktiv- und Städtereisen für Lesben und Schwule. Von Klettern über Trekking und Mountainbiking bis Surfen und Snowboarden richtet sich ein Großteil der ausgesuchten Touren gezielt an Lesben. Die Devise: Gemeinsam unterwegs, statt einsam zu Haus!

Sexuelle Orientierung nicht verstecken

Silke Meinert

Silke Meinert

Die Idee zu Touren speziell für Lesben bzw. Schwule schlummerte schon lang in ihrem Hinterkopf, sagt sie. Seit November 2011 ging sie der Idee verstärkt nach und bot seit April 2012 über „travel4queers“ für den Sommer/Herbst/Winter 2012 die ersten Touren für Selbstanreiser/innen vom Allgäu bis Lanzarote. Das Lesbisch sein sei für sie weder auf Reisen noch im Alltag jemals ein Problem gewesen. „Generell lebe ich offen lesbisch, ich verstecke mich nicht, aber ich binde es auch nicht jedem sofort auf die Nase, dass ich Frauen liebe“, so Silke. Nur in der Schule ist sie möglichen Problemen vorsichtshalber lieber aus dem Weg gegangen, in dem sie ihr Coming-out auf die Zeit nach dem Abitur verschob, erinnert sie sich: „Ich hatte keine Lust auf Stress in der Schulzeit.“

Schwuler Schützenkönig im Münsterland

Als im August 2011 im katholischen und konservativem Münsterland ein Schützenkönig seinen Lebenspartner zur „Königin“ machte und sich mit ihm bei der Parade den  Schützenbrüdern und vor der Kamera der Öffentlichkeit stellte, sorgte dies landauf landab für unterschiedliche Schlagzeilen und Kommentare des übergeordneten Schützenverbandes. Dieser versuchte neue Spielregeln für das bis dahin nie Vorgekommene aufzustellen: die „Königin“ wurde „Prinzgemahl“ genannt, durfte bei Paraden nicht an der Seite des Königs schreiten, sondern hinter ihm, durfte die Königinnenschärpe nicht tragen u. ä.  Die „Dorstener Zeitung“ fragte ihre Leser, ob sie sich ein schwules Königspaar vorstellen könnten. An der Umfrage nahmen 1.587 Leser teil. Für 40,39 Prozenten ist ein homosexuelles Königspaar auf keinem Fall ein Problem, eine knappe Mehrheit von 42,22 Prozent lehnt es ab, da „von jeher König und Königin die Schützen regieren“ und diese Tradition nicht gebrochen werden dürfe. 17,39 Prozent ist es „egal“. Sie sahen das „Thema als überbewertet“ an.

22.000 eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften in NRW

2105 sind im Kreis Recklinghausen 48 Homo-Ehen geschlossen worden. Das waren drei mehr als im Vorjahr. In NRW standen 2015 insgesamt 1663 schwule und lesbische Paare vor dem Standesbeamten. Das sind drei Prozent weniger als im Jahr davor. Die meisten Homo-Ehen wurden mit 275 in Köln geschlossen. Seit 2001 können gleichgeschlechtliche Paare ihre Beziehung auf diese rechtliche Basis stellen. In NRW gibt es 22.000 eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften (Stand: 2016).

Auch das gibt’s, aber nicht in Dorsten: Grabstätten nur für Lesben

Die Evangelische Kirche hat ein 400 Quadratmeter großes Feld des Georgen-Parochial-Friedhofs in Prenzlauer Berg für lesbische Frauen reserviert. Eine Sprecherin des Evangelischen Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte erklärte, ein Begräbnisfeld für Lesben sei mit einem Familiengrab zu vergleichen. In diesem Fall sei es die Verbundenheit „zu einer Community“, die über den Tod hinaus zum Ausdruck kommen solle. Die alleinige Entscheidung über die Belegung trifft die Sappho-Frauenwohnstiftung, nach eigenen Angaben die „erste Wohnstiftung von Lesben für Lesben“ mit Sitz in Wuppertal. Deren Sprecherin lobt, dass der Lesbenfriedhof auch nach dem Tod die „Wahlverwandtschaft“ deutlich werden lasse. Der 1814 angelegte Friedhof der Georgen-Parochial-Gemeinde wurde 1970 geschlossen, jedoch sind seit 1991 wieder Bestattungen möglich. Auf dem als „Gartendenkmal“ klassifizierten Gelände finden seit Jahren umfangreiche denkmalpflegerische Maßnahmen statt.


Siehe auch:
Sexualität


Quellen:
Dorstener Zeitung vom 2. August 2011. – Internetauftritt Silke Meinert, Text Christine Stonat, Mai 2012.

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