Schule: Lehrermangel

In NRW werden im Sommer 2024 Lehrkräfte in Grundschulen umverteilt

NRW wird im Sommer Lehrpersonal in Regionen schicken, in denen Mangel herrscht. Wie viele Menschen das betrifft, ist unklar. Die Aussicht löst Krisen in Kollegien und Familien aus. In den Grundschulen in Nordrhein-Westfalen breitet sich Unruhe aus. Grund ist die zu erwartende Abordnung von Lehrkräften an andere Schulen. Bis Ende Februar mussten bereits Schulen aus dem Regierungsbezirk Münster entscheiden, wer ab dem nächsten Schuljahr für zwei Jahre in Regionen versetzt werden soll, in denen die Personalnot besonders groß ist. Die Zahl dieser Maßnahmen steigt: Aus den Verfahren von 2023 seien derzeit 99 Grundschullehrkräfte abgeordnet, teilte die Bezirksregierung Münster mit. „Für das kommende Schuljahr sollen, in Abhängigkeit vom Einstellungs- und Versetzungsverfahren, circa 150 bis 200 weitere Stellen in den Bedarfsregionen ankommen.“ Dabei können mehrere Abordnungen nötig sein, um eine Stelle auszufüllen. Die Auswahlmethoden an den Schulen reichen Berichten zufolge von Auslosungen bis zur Erarbeitung komplizierter Kriterienkataloge. Das führt zu organisatorischen Problemen, Frust, Ängsten und Unfrieden sowie Sorgen um pädagogische Erfolge, wenn Lehrende ihre Klassen aufgeben müssen.
„Gute bestehende Systeme werden kaputtgemacht“, klagte die Leiterin einer betroffenen Grundschule in Münster. Grundsätzlich seien Abordnungen in Ordnung – Beamte hätten Privilegien, müssten aber auch das Kleingedruckte lesen, wenn sie einen Vertrag unterschrieben. Nun aber werde auf dem Rücken von Lehrkräften ausgetragen, was über Jahre im Bildungssystem versäumt worden sei – und auch auf dem Rücken von Kindern an den Standorten mit großen Herausforderungen, „wenn man da Menschen hinschickt, die da gar nicht hinwollen“.

Bis April 2024 werden die Kandidaten der Verschiebungen genannt

Der Regierungsbezirk Münster ist mit den Vorbereitungen besonders früh dran. Im Bezirk Köln beispielsweise haben die Schulen noch bis Mitte April Zeit, ihre Kandidaten für die Personalverschiebung zu benennen. Betroffen ist aber ganz NRW – und das in vorläufig unklarer Größenordnung. Schulministerium von Dorothee Feller (CDU) teilte mit, es gebe weder belastbare Zahlen, wie viele Grundschullehrkräfte landesweit abgeordnet sind, noch dazu, wie viele dies im Sommer ereilen wird. Anfang Oktober waren nach der Landesstatistik mehr als 2600 Grundschulpädagogen abgeordnet. Hinnerk Wißmann, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Münster, kritisierte die Vorgänge aus juristischer Perspektive. „Es ist davon auszugehen, dass etliche Entscheidungen vor den Verwaltungsgerichten angefochten werden“, prognostizierte er. „Völlig unverständlich und dysfunktional ist es, dass die Kriterien in den Schulen ausgearbeitet werden.“

Der großzügige zeitliche Vorlauf im Bezirk Münster wird gelobt

Die Landeselternschaft der Grundschulen geht davon aus, dass viele Familien über die anstehenden Personalmaßnahmen noch gar nicht Bescheid wissen. Man sieht die Lage allerdings differenziert: Für Kinder sei es nicht einfach, und Eltern seien oft aufgebracht, wenn eine geschätzte Lehrkraft gehen müsse. Zu loben sei ein großzügiger zeitlicher Vorlauf wie im Bezirk Münster. Als unglücklich erachten Eltern es, dass es Kaskaden-Abordnungen gibt. „Von Münster geben wir Leute ab nach Gladbeck oder Dorsten, von da aus geben wir welche ab ins Ruhrgebiet“, beschrieb Völxen von der Landeselternschaft. Das hält die Fahrtwege der Lehrkräfte kürzer, aber so gibt es auch mehr betroffene Schulen, Beamte und Kinder. – Zu den besonders von Personalmangel betroffenen Regionen zählen Dortmund, der Kreis Soest sowie der Ennepe-Ruhr-Kreis im Regierungsbezirk Arnsberg, die Städte Duisburg, Oberhausen und Essen im Bezirk Düsseldorf und die Regionen Bottrop, Gelsenkirchen und der Kreis Recklinghausen im Bezirk Münster.

Siehe auch: Schulen (Artikelübersicht)


Quelle: DZ vom 4. März 2024

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