Imker

Die sonst als fleißig bekannten Bienen erbringen immer weniger Honig

Süße Orgie in den Honigwaben

Süße Orgie in den Honigwaben

Dem Dorstener Imkerverein gehören etwa 35 Mitglieder an. Neben den Dorstenern sind auch Imker aus Haltern und Marl in dem Verein organisiert. Ein Problem der Imker ist, dass Bienen immer weniger Blüten finden, aus „denen sie Honig saugen“ können. Denn es wird immer mehr Mais angebaut, mit dem Bienen nichts anfangen können. Früher war gerade im ländlichen Raum das Angebot an Pflanzen für die Insekten größer. Bienenstöcke, die in der freien Natur aufgestellt waren, sind heute immer mehr in Nähe der Imker-Häuser zu finden. Ein gutes Mittelmaß an Erträgen eines Bienenvolks sind 20 bis 25 Kilo; derzeit ist mit lediglich 15 Kilo zu rechen. Aber auch die nur 1,6 Millimeter große aus Asien eingeschleppte Varrao-Milbe macht den Imkern zu schaffen, weil sie die Ursache für das auftretende Bienensterben ist. Wegen der tödlichen Varroa-Milben haben fast 60 Prozent der Bienenvölker den Winter 2011/12 nicht überlebt. Die Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung schätzt, dass bundesweit etwa ein Drittel aller Bienenvölker den Parasiten erlegen sind. Das wären rund 300.000 Völker. Im Vergleich zu den Vorjahren hätte sich die Quote (etwa 15 Prozent) damit mehr als verdoppelt.

2017 schlechte Honigernte im Kreis Recklinghausen erwartet

Im Kreis Recklinghausen wird es 2017 eine eher schlechte Honigernte geben. Das befürchten Imker. In Castrop-Rauxel sind einige Bienenvölker komplett vernichtet worden. Ähnlich sei die Situation auch in Recklinghausen und Herten. Schuld daran ist vor allem die Varroamilbe – ein Parasit im Bienenstock – aber auch der milde Winter und die teilweise extremen Temperaturschwankungen. Bei anderen Imkern im Kreis hätten immerhin noch fast 60 Prozent der Bienen den Winter überlebt. Durch die schlechtere Honigernte könnte nun auch der Preis für Honig steigen – um etwa 1,50 Euro. Ein 500-Gramm-Glas würde dann bis zu sechs Euro kosten.

Seit etwa 1900 wurde auch Honig auf dem Dorstener Markt angeboten

Imker-Ecke im Heimatmuseum Lembeck; Foto: Wolf Stegemann

Heimatmuseum Lembeck; Foto: Wolf Stegemann

Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts verkauften Imker auf dem Dorstener Wochenmarkt Scheibenhonig. Bekannte Korbimker waren im vorigen Jahrhundert u. a. die Bauern Rogge und Ketteler in Lembeck-Beck, Hermann Grewer aus Wulfen-Dimke, Landwirt Kruse aus Holsterhausen, Hermann Ruyken aus Deuten. Der Deutener Imker Albert Kleine-Ruyken, der 1833 seinen Weberberuf in Schermbeck aufgab, und als Kötter nach Deuten zog, verkaufte seinen Hönig um 1900 auch an den Wulfener Kaufmann Moses Moises, der für das Pfund Wabenstück inklusive tote Bienen und Brut 25 Pfennige bezahlte. – Um die Jahrhundertwende erlebte die Korbimkerei ihren Niedergang, weil die Dreifelderwirtschaft verschwand, aus Moorflächen Wiesen wurden und der neuartige Kunstdünger die Bienen schädigte. Die Imker stellten sich um auf Kastenzucht mit einer beweglichen Wabe. Sie schlossen sich in Vereinen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Ein Bienenkasten erforderte eine Besetzung mit so vielen Bienen wie in vier Bienenkörben. Anstatt 20.000 Bienen, wie in den Körben, musste ein Kasten 60.000 bis 80.000 Bienen haben, sollte der Kasten ertragreich sein. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts produzierte die Ölmühle der Gebrüder Müller an der Lippe bzw. am Kanal mit eigener Imkerei und eigener Verarbeitungsabteilung fabrikmäßig Honig.

Schafzüchter von Raesfeld prozessierte gegen Imker

Die Arbeit der Imker begann bereits im Frühjahr, wenn sie ihre Bienenvölker aussetzten. 30 Bienenvölker pro Imker waren keine Seltenheit. Im Mai begann das Schwärmen und der Völkerbestand vermehrte sich auf 80 bis 100 Körbe. Je nach jahreszeitlicher Witterung konnte nach der Heideblüte im September Honig gewonnen werden, je Volk 30 bis 60 Pfund. Spitzenvölker brachten es bis zu 120 Pfund. Die Heidegebiete in Hervest, Holsterhausen und Rhade wimmelten nur so von Bienenschwärmen, was den Schafzüchtern missfiel. Der Gutsbesitzer von Raesfeld strengte deshalb einen Prozess gegen die Imker an, weil seine Schafe wegen des starken Bienenflugs in der Emmelkämper Mark nicht mehr weiden konnten. Aufgrund des damals noch geltenden Bienenschutzgesetzes verlor von Raesfeld den Prozess.

Holsterhausener Honig als Schulprojekt

An der Geschwister-Scholl-Schule hatte sich mit dem Lehrer Jörg Habig eine Bienen-AG gegründet, deren Teilnehmer alles über Bienen und die Imkerei aus eigenem Erfahren im 2.000 Quadratmeter großen Schulgarten erlernen wollten. Da Unbekannte diese Anlage zerstörten, wurde 2015  in Holsterhausen ein weiterer Standort für vier BIenenvölker gefunden, wobei Rainer und Ulla Thieken halfen. Ralf Honsel unterstützt das Projekt, indem er den Holsterhausener Honig in seinem Geschäft anbietet. In der ersten Honigernte waren das 48 Gläser.


Quelle:
„Die heutige Bienenzucht im Wandel der Zeiten“ im HK.

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