Hürland-Ausfahrt

Das Gerücht hält sich – doch die Wahrheit ist es nicht

So genannte Hürland-Ausfahrt am Parkplatz an der A 31; Foto: Wolf Stegemann

Nicht wirkliche aber so genannte Hürland-Ausfahrt am Parkplatz an der A 31; Foto: Wolf Stegemann

Eine Autobahn-Ausfahrt nur für eine Politikerin? Gerücht oder Wahrheit? Diesen Fragen ging die Klasse 9a des St. Ursula-Gymnasiums nach. Mit einer gemeinsamen Arbeit beteiligten sie sich Anfang 2012 am Schülerwettbewerb der „Bundeszentrale für politische Bildung“, der unter dem Motto stand: „Ist das wirklich so gewesen?“ Im Falle der so genannten Hürland-Ausfahrt kann man sagen, dass es nicht so gewesen ist, wie seit Jahrzehnten standhafte Gerüchte es behaupten: Die 2009 verstorbene CDU-Spitzenpolitikerin habe diese Auffahrt für ihre persönlichen Zwecke bauen lassen, um, wenn sie von Bonn ins heimatliche Holsterhausen fährt, ihr unweit von der A 31 entferntes Heim schneller und direkt erreichen konnte. Diesem Gerücht gingen die Schüler nach.

Sie haben ihre Arbeit nicht als Text aufbereitet, sondern als ein acht Minuten langes Radio-Feature. Die Wettbewerbs-Jury fand nicht nur den Inhalt, sondern auch die medientechnische Qualität des Beitrages „hervorragend“ und sprach der Klasse 9a einen Preis zu: Eine Fahrt zum größten Computermuseum der Welt, zum Heinz-Nixdorf-Museumsforum in Paderborn. In der Tat ist die 1989 gebaute Ausfahrt an der damals neuen A 31 „vielleicht bundesweit“ (WAZ Dorsten) ein Kuriosum, was den Gerüchten um Agnes Hürland-Büning Nahrung lieferte. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ kolportierte 2002 die Geschichte. Die Schüler fanden durch Befragungen und dem Studium von Gesprächsprotokollen im Stadtarchiv aber heraus, dass die Stadt Dorsten diese Ausfahrt wollte, die von den Autobahnbauern nicht vorgesehen war. Die Zuständigen des Autobahnbaus weigerten sich schlichtweg, den Vorstellungen der Stadt nachzukommen, da bereits Ausfahrten auf der Hardt und am Freudenberg vorgesehen waren. Damit wollte sich die Stadt nicht zufrieden geben und schaltete daher die damalige Parlamentarische Staatssekretärin im Verteidigungsministerium Agnes Hürland-Büning mit der Bitte ein, als Dorstener Abgeordnete ihren politischen Einfluss für die Stadt beim Verkehrsministerium geltend zu machen. Mit der „versteckten Ausfahrt“ an einem Parkplatz erreichte Agnes Hürland-Büning einen Kompromiss. Die Stadt dankte es ihr. Darüber steht in einem städtischen Protokoll: „Ohne Hürland-Büning hätte die Stadt diese Ausfahrt nicht bekommen.“ Ludger Böhne schrieb in der WAZ:

„So bleibt am Ende die Erkenntnis, dass diese sonderbare Ausfahrt den Namen ,Hürland’ zu Recht trägt. Sie taugt aber nicht als Beleg dafür, dass Politiker sich die Welt nach eigenen Bedürfnissen zu Recht biegen.“

„Alles Unsinn, wie so vieles…“

Der verstorbene und damals amtierende Stadtdirektor Dr. Karl-Christian Zahn, schon 2001 von dem Dorstener Journalisten Wolf Stegemann gefragt, was denn an dem Gerücht dran sei, Agnes Hürland hätte diese Autobahn-Ausfahrt für sich beantragt, winkte mit den Worten ab: „Auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält, es ist falsch. Die Stadt wollte diese Anbindung, nachzulesen in den Protokollen!“ 2007, ein Jahr vor dem Tod der Politikerin Agnes Hürland, sagte sie in einem privaten Gespräch zum Thema „Hürland-Ausfahrt“: „Alles Unsinn, wie so vieles andere, was über mich erzählt wird“ (siehe Hürland-Büning, Agnes)


Quelle:
Ludger Böhne „Nächste Ausfahrt Hürland“ in der WAZ vom 29. Februar 2012. – Gespräch Wolf Stegemann mit Stadtdirektor Dr. Zahn 2002 und mit Agnes Hürland-Büning 2007.

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