Hafenbahn

Michael Bugdoll übernahm 2009 den Güterverkehr zu den Bahnhöfen

Michael Bugdoll, der Jim Knopf von Dorsten, vor seiner 1000 PS starken Diesellok G6. Text und Foto: Holger Steffe 15. 9. 2011

Michael Bugdoll vor seiner 1000 PS starken Diesellok G6; Foto: Holger Steffe

Hafenbahn ist der traditionelle und gängige Name für den heutigen Güterzug vom Interkommunalen Industriegebiet Dorsten/Marl und vom Hafen zu den Verladebahnhöfen der Deutschen Bahn im europäischen Güter-Streckennetz. Erst Mitte der 1960er-Jahre wurde die Güterbahn der Stadt Dorsten, die den Bahnhof der Bundesbahn mit dem Kanalhafen und dem Gewerbegebiet an der Stadtgrenze zu Marl verbindet, errichtet. Nach erfolgreichem Start nahm der Güterverkehr in den Folgejahren immer mehr ab, bis es 2007 nur noch wenige Wagen waren, die gelegentlich einem Stahlunternehmen und der Firma Coca Cola zugestellt wurden. Die Deutsche Bahn (früher Deutsche Bundesbahn) kündigte im Rahmen ihres allgemeinen Rückzugs von kleineren Güteranschlussbahnen die Dorstener Verkehrsleistungen, die sie bisher erbracht hatte. Das Ende der Hafenbahn schien nahe, doch gelang es der Betriebsleitung mit der Bocholter Eisenbahn Gesellschaft einen neuen Partner zu finden, der die geringen Güterleistungen, die 2008 anfielen, übernahm.

Güter werden vom Schiff auf die Bahn umschlagen

Hafenbahn

Hafenbahn Richtung Gladbeck; Foto: M. Diekenbrock

Seit Januar 2009 zeichnet sich eine interessante Wende ab. So brachte die Bocholter V 200-Lok bereits mehrmals lange Güterzüge mit Schotter in das Gewerbegebiet. Erstmalig wurde 2009 ein langer Zug auf dem Gelände der Spedition Thier mit Holz beladen. Weitere Leistungen dieser Art fanden regelmäßig an den Wochenenden im März 2009 statt. Wie es weitergeht, entscheidet sich immer sehr kurzfristig. Die Güterbahn der Stadt Dorsten verlässt das DB-Hauptgleis auf der Ostseite des Bahnhofs einige hundert Meter nach der Ausfahrt. Die Strecke verläuft dann entlang des Dorstener Segelflugplatzes auf einer langgezogenen Gefällestrecke, die in eine mehrgleisige im Wald gelegene Abstellanlage mündet. Dort gabelt sich die Strecke. Ein Abzweig führt zum Kanalhafen. Der zweite Abzweig führt zu verschiedenen Anliegern, u .a. zu Coca Cola und der Spedition Thier. Da der Rückbau des Bahnhofs Dorsten mit dem Verlust der Verlademöglichkeiten für Güter voranschreitet, wird von Fachleuten das neue Holzverladungsprojekt auf der städtischen Güterbahn als „außerordentlich interessant“ angesehen. Es zeige, dass Güterverkehr möglich sei und sogar erheblich ausgebaut werden könne. Daher sei das Engagement der Stadt Dorsten und der ihr gehörenden Wirtschaftsgesellschaft für die Güterbahn ein bemerkenswertes Signal für eine zukunftsorientierte Verkehrspolitik. Das Streckennetz der Hafenbahn ist etwa fünf Kilotere lang und an das DB-Netz der Strecke Borken-Essen angeschlossen. Eine Erweiterung ist geplant

Jede Nacht müssen die Gleisanlagen freigehalten werden

Hafenbahn auf Dorstener Gleis

Hafenbahn auf Dorstener Gleis; Foto: M. Diekenbrock

2009 übernahm Michael Bugdoll („der Dorstener Jim Knopf“) die Gleisanlagen der ehemaligen Hafenbahn (V80) im Gewerbegebiet-Ost, zwischen Ovelgünne, Schleusen-, und Rudolf-Diesel-Straße, von der städtischen Wirtschaftsgesellschaft WinDor gepachtet. Sein Unternehmen ist im Auftrag der Bundesbahn nachts in NRW unterwegs. Mit der 1.000 PS starken Diesellok G6 und den drei Schienenkleinwagen reparieren die vier Lokführer und ebenso viele Gleisbauer das Schienennetz zwischen Münster und Siegen sowie Hamm bis Aachen. Nacht für Nacht sind die Mitarbeiter der Firma M. Bugdoll an der Hafenbahn unterwegs, um Autos, LKW und leichtsinnige nächtliche Spaziergänger von den Schienen zu vertreiben. Auch werden von Dorsten aus Gleisreparaturen durchgeführt.
Im Mai 2015 wurden Befürchtungen laut, dass das Jahr 2022 das Aus für das Unternehmen (12 Mitarbeiter) bringen könnte. Die Gleisanlagen gehört durch Kauf seit 1980 der Stadt und wird von deren Tochtergesellschaft Windor verwaltet. 2022 läuft der Vertrag der Stadt mit der Firma Bugdoll aus. Ob er verlängert wird, scheint fraglich. Windor muss das Gleisbett notdürftig instand halten, was wohl 100.000 Euro kosten wird. „Ein Fass ohne Boden“ (Werner Schroer, CDU). 13 Grundstückseigentümer an der Trasse benötigen keinen Gleisanschluss mehr und haben eine finanzielle Beteiligung an der Sanierung abgelehnt. Lediglich ein Unternehmen hat sich noch nicht entschieden (September 2015).

Ehemalige Bahnflächen auf dem Gebiet der Stadt Dorsten

Insgesamt 500.000 qm ehemaliger Bahnflächen werden in Dorsten nicht mehr für den originären Bahnbetrieb benötigt und können anderen Nutzungen zugeführt werden. Hierzu hat die Stadt Dorsten mit der BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW mbH (BEG) am 14. August 2003 einen Kooperationsvertrag abgeschlossen. Neben den städtebaulich interessanten Flächen am Bahnhof Dorsten, Bahnhof Rhade, Bahnhof Wulfen, dem ehemaligen Güterbahnhof Hervest sowie den stillgelegten Trassen von Wesel in Richtung Haltern und Dorsten in Richtung Bottrop-Kirchhellen beinhaltet das Gesamtpaket auch Grün-, Forst- und landwirtschaftliche Flächen. Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der Flächen am Bahnhof Dorsten und dessen direkter fußläufiger Anbindung an die Innenstadt. Auch eine Folgenutzung für das Empfangsgebäude Bahnhof Dorsten sowie des ehemaligen Güterbahnhofes Hervest sind von gesamtstädtischer Bedeutung. Aber auch für die weniger attraktiven Flächen sollen Nutzungen gefunden werden.

Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor: Hafenbahn 2022 vor dem Aus

Die Gleisanlagen werden immer maroder. Daher wird der Eigentümer, die städtische Wirtschaftsförderungsgesellschaft Windor die Hafenbahn Ende 2022 endgültig dicht machen. Das verkündete sie Ende 1015. Die Firma Bugdoll zeigt kein Interesse daran, den Betrieb nach 2022 weiterzuführen. Investitionen wären in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro notwendig. Sie anliegenden 15 Unternehmen haben kein Interesse daran, sich an diesen Kosten zu beteiligen.


Quellen:
Offizielle Website Stadt Dorsten, Thema „Bahnflächenentwicklung“ (2014). – Martin Ahlers: „Ein Leben auf dem Gleis“ in der WAZ vom 23. September 2011. – Manfred Diekenbrock im Internet zu „Guterbahn Dorsten“.  Holger Steffe in DZ vom 15. September 2011. – Rüdiger Eggert in DZ vom 20. März 2013.- DZ vom 18. Dezember 2015.

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