Frauenhaus

Es bietet seit 1984 Frauen und Kindern Schutz vor häuslicher Gewalt

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 29. Oktober 2013 (Ausriss)

1983 richtete der Verein „Frauen helfen Frauen“ einen Bereitschaftsdienst für Hilfe suchende Frauen ein. Ein Jahr später, am 1. Mai 1984, konnte die erste 140 Quadratmeter große Frauenschutzwohnung für sechs Frauen in der Straße „Im Kühl“ eingerichtet werden. Dort fanden misshandelte Frauen mit Kindern Zuflucht. Bereits 1987 wurde daraus ein größeres Haus mit 18 Betten, Platz für acht Frauen mit Kindern, das bis heute Frauen Schutz vor ihren gewalttätigen Männern bietet.

Existenz des Frauenhauses gesichert: Stadt kaufte das Haus

550-frauenhausklStadt und Wohlfahrtsverbände unterstützen die ehrenamtlich geleitete Einrichtung. 1990 übernahm der Landschaftsverband 80 Prozent der Personalkosten für die drei hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Der Trägerverein erweiterte 1991 das Haus, dessen weitere Existenz durch den Kauf des Gebäudes durch die Stadt gesichert wurde, strich dafür aber den jährlichen Zuschussbedarf in Höhe von 25.000 DM. Die Miete musste aber weiterhin gezahlt werden, was den Verein in einen finanziellen Engpass brachte. Im Jahre 2000 suchten 80 Frauen und 111 Kinder Zuflucht im Dorstener Frauenhaus. Die Verweildauer lag im Durchschnitt bei einem Monat. Die Hälfte der Frauen kam aus anderen Städten, die andere Hälfte aus Dorsten und dem Kreis Recklinghausen. Im Schnitt war das Frauenhaus zu 87 Prozent belegt. In den ersten 25 Jahren seines Bestehens suchten rund 2.000 Frauen – Kinder nicht mitgerechnet – im Frauenhaus Schutz; allein im Jahr 2007 waren es 75 Mütter und 107 Kinder. Im Jahre 2009 fanden 67 Frauen und 59 Kinder Unterkunft.

Ein Viertel der Frauen gingen in das familiäre Gewaltverhältnis zurück

Nach wie vor erfuhren die meisten Frauen häusliche Gewalt durch den eigenen Ehemann (58 Prozent) oder Lebensgefährten (19 Prozent). Zwei Frauen waren akut von Zwangsheirat betroffen. Mit 66 Prozent machte die Mehrheit der Bewohnerinnen erstmals Erfahrung mit dem Leben im Frauenhaus. 28 Prozent der Frauen fanden zum wiederholten Male Aufnahme im Frauenhaus, weil sie es nicht gleich geschafft haben, sich von ihren gewaltsamen Ehepartnern zu trennen. Fast jede fünfte Frau wurde aus Sicherheitsgründen in ein anderes Frauenhaus vermittelt. Einige Frauen kamen bei Freunden und Verwandten unter. Im Jahr 2010 wurden 94 Kinder und 81 Frauen aufgenommen. Die Gesamtzahl der Übernachtungen lag bei 3.188, die durchschnittliche Auslastung aber nur bei 67,2 Prozent und damit niedriger als früher.
Die Mehrzahl der Frauen (48 Prozent) war zwischen 26 und 40 Jahren alt. Größer geworden ist mit 31 Prozent die Gruppe der jungen Frauen bis zu 26 Jahren. 60 Prozent der Kinder waren im Säuglings- und Kleinkindalter, 33 Prozent im Schulalter. Für sie bedeutete der Einzug ins Frauenhaus auch einen Schulwechsel, denn nur die wenigsten Frauen kamen – aus Sicherheitsgründen – aus Dorsten. 50 Frauen lebten außerhalb des Kreises Recklinghausen, 31 im Kreis. Ein Viertel der Frauen ging trotz ihrer Gewalterfahrung wieder zurück, 22 Prozent nahmen sich eine eigene Wohnung. 19 Prozent der Frauen mussten aus Sicherheitsgründen in ein anderes Frauenhaus vermittelt werden.

Umzug in ein größeres Haus war notwendig geworden

2010 fand das Frauenhaus auch eine neue und 100 Quadratmeter größere Bleibe. Ein wichtiger Grund, ein neues Domizil zu beziehen, war, dass im Jahre 2008 eine Bewohnerin, die Zuflucht im Dorstener Frauenhaus suchte, von ihrem Mann verfolgt und in der Fußgängerzone ermordet worden war. Andere Gründe für den Umzug waren eine mittlerweile permanente Überbelegung, ständige Wasserschäden, die den Kinder-Spielplatz im Keller unbrauchbar machten. Das Frauenhaus bekam auch einen neuen Namen: „Frauen- und Kinderschutzhaus“.  Das Haus bietet auf nunmehr 300 Quadratmetern Platz für 19 Betten. 2010 betrug der Jahresetat des Vereins 170.000 Euro. Davon zahlte das Land 90.000 Euro. 80.000 Euro musste der Trägerverein aufbringen. Einnahmequellen sind neben Mieten der Bewohnerinnen Spenden und Bußgelder, die dem Frauenhaus von Gerichten zuerkannt werden. Ende 2011 war das Frauenhaus zu 93 Prozent ausgelastet, über das ganze Jahr zu ca. 80 Prozent. Anfang 2011 musste sich der Verein unter dem Motto „Schutzengel gesucht“ um Spenden und Sponsoren bemühen, denn das Defizit hatte sich seit Jahresbeginn auf Existenz bedrohende 10.000 Euro summiert. Dazu beigetragen haben ein Umzug, nachdem das alte Haus von Schimmel befallen war, und Mietausfälle der Bewohnerinnen. Die eigene Miete, Betriebskosten und Gehälter für das hauptamtliche Team betragen monatlich 14.000 Euro. Etwa die Hälfte zahlt das Land. Der Betrag wurde allerdings seit fünf Jahren nicht an steigende Kosten angepasst. Den Rest muss der Verein selbst aufbringen durch Mieteinnahmen von ihren Schützlingen, sonstige Zuschüsse oder Spenden.

Immer mehr Frauen mit Migrationshintergrund suchen Schutz

2012 kamen 108 Frauen (mit 127 Kindern), um Schutz zu suchen, das war 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit verbunden war allerdings eine besonders hohe Fluktuation, so dass die Übernachtungszahl von 3.624 durchaus dem Durchschnitt vergangener Jahre entsprach. 70 Prozent der Frauen blieben nur bis zu sieben Tage, weil sie anschließend bei Verwandten unterkamen. – 2015 kamen 103 Frauen mit 97 Kindern ins Frauenhaus, deren Mitarbeiterinnen immer mehr mit Flüchtlingsfrauen zu tun haben. 79 der 103 Frauen wurden von Ehemännern oder Lebensgefärten malträtiert, 22 von Eltern oder anderen Verwandten. Zwei Frauen waren durch Zwangsheirat bedroht. Erstmals hatten 56 Prozent der Frauen Migrationshintergrund, die aus Städten des Ruhrgebiets kamen und in Dorsten mit ihren Kindern unterkamen. Frauen aus Dorsten werden hier grundsätzlich nicht aufgenommen; sie werden in Einrichtungen anderer Städte untergebracht. Die Aufenthaltsdauer betrug 2015 überwiegend sieben Tage. Im April 2016 war das Dorstener Frauenhaus mit 17 Frauen und zehn Kindern bis unters Dach ausgelastet.

Jahresbilanz 2016: Frauenhäuser im Kreis Recklinghausen überbelegt

Im Jahr 2016 suchten immer mehr Frauen im Kreis Recklinghausen Schutz in den Frauenhäusern. Es waren so viele, dass einige Häuser überbelegt wurden und keine neuen Frauen mehr aufnehmen konnten, zum Beispiel Castrop-Rauxel. Zum ersten Mal seit 30 Jahren waren dort zusätzliche Betten aufgestellt worden. In den anderen Frauenhäusern im Vest Recklinghausen sah es ähnlich aus. In Datteln stieg die Zahl um 14 Prozent, in Herten um sechs. Insgesamt gibt es fünf Frauenhäuser im Kreis. Vier davon sind derzeit voll belegt. Weil die Anfragen weiter steigen, denken viele Einrichtungen über einen Anbau oder einen Umzug in ein größeres Haus nach, darunter die Häuser in Dorsten und Castrop-Rauxel. Gründe für den Anstieg sind zum Beispiel, dass die Polizei bei häuslicher Gewalt die Frauen schneller vermittelt. Und Frauen sind heutzutage besser untereinander vernetzt. Viele gehen ins Frauenhaus, weil sie von ihren Männern bedroht oder geschlagen werden. Dort bleiben sie dann für eine gewisse Zeit; in Dorsten meist nur eine Woche, in Castrop-Rauxel dagegen können Frauen bis zu drei Monaten wohnen (Radio Vest).

Frauen mit schwierigen Biografien

Durch den Mord an einer Bewohnerin im Dezember 2008, als der Ehemann seine Frau vor den Augen ihrer Kinder mitten in der Fußgängerzone die Kehle durchschnitt. Die Frau wohnte seit kurzem im Frauenhaus, wo ihr Mann, der später zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, sie aufspürte. Die Familie kam aus Herne. 80 Prozent der Bewohnerinnen heute kommen von außerhalb, manche sogar aus anderen Bundesländern.
Immer häufiger kommen Frauen mit einer schwierigen Geschichte ins Frauenhaus. Vermehrt spielen Menschenhandel und Prostitution eine Rolle. Bringt die Polizei Frauen aus Rumänien oder Bulgarien im Frauenhaus unter, dann geht es meist um Migrantinnen, denen eine Abschiebung ins Heimatland bevorsteht.
Vier Vollzeitstellen gibt es inzwischen wieder im Dorstener Frauenhaus, das auf seiner Wunschliste ganz oben die „bundes- oder landeseinheitliche Finanzierung der Frauenhäuser“ stehen hat. Denn immer wieder suchen Frauen Schutz im Frauenhaus, bei denen die Finanzierung ihres Aufenthaltes nicht gesichert ist

Spenden für das Frauenhaus können eingezahlt werden auf Konto 101 501 4671 bei der Sparkasse Vest in Dorsten, BLZ 426 501 50. Wer einen (oder mehrere) „Schutzengel“ kaufen möchte, sollte das auf der Überweisung vermerken, wer eine Spendenquittung benötigt, auch seine Postanschrift angeben. Infos zum Frauenhaus: 02362 / 410 55.


Quelle:
Ute Hildebrand-Schute „81 Frauen flüchteten ins Frauenhaus“ in der WAZ vom 25. März 2011. – Dies. „108 Frauen suchten Schutz im Frauenhaus“ in der WAZ vom 27. März 2013.

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