Euroquarz

Von westfälischer Provenienz zur weltweiten „Euroquarz Gesellschaft“

Das Werk

Die Quarzwerke in einer Darstellung der 1920er-Jahre

Das Unternehmen ging aus den 1897 gegründeten „Westfälischen Sand- und Tonwerken“ hervor, die die Quarzvorkommen des Hardtberges ausbeuteten. An der Gründung war der Besitzer der Ölmühle und eines Zementwerks, Gustav Adolf Müller, und dessen Sohn Hermann Müller maßgeblich sowie der Dorstener Bankier Franz-Josef de Weldige-Cremer finanziell beteiligt. Geschäftsführer war Diplom-Ingenieur Bernhard Holtfort. Das Werk gehörte damals zu Gahlen-Hardt, heute zu Dorsten-Hardt. 1907 traten August ten Hompel aus Recklinghausen mit seinem Sohn Rudolf und später Konsul Bernhard Drerup aus Münster in die Gesellschaft ein. 1930 übernahm Carl Tillessen die Geschäftsführung, 1935 Dr. Erich Müller, Sohn von Hermann Müller. 1939 wurde die GmbH in eine Kommanditgesellschaft mit der Firma Westfälische Sand- und Tonwerke Dr. Müller & Co. umgewandelt. Das Rohmaterial wurde in einer Kieswäsche aufbereitet und über einen eigenen Bahnanschluss ausgeliefert. Die Belegschaft stieg 1927 auf 150 an, ging dann in der Wirtschaftskrise 1932 auf 25 zurück.

Unternehmen ist verstärkt auf dem europäischen Markt tätig

Quarzwerk, Aufnahme vor 1947

Quarzwerk, Aufnahme vor 1947

Die Westfälischen Sand- und Tonwerke firmierten ab 1956 als Westdeutsche Quarzwerke Dr. Müller GmbH. Der neue Name wurde deswegen gewählt, weil das Unternehmen mehrere Sand- und Kieswerke auch außerhalb von Westfalen errichtet hatte: Neuenkirchen bei Rheine (1935), Haddorf (1937), Holdorf (1949), Haltern (1950) und Kerpen-Horrem (1960). 1991 gründeten die Westdeutschen Quarzwerke die Quarzwerke Ottendorf-Okrilla GmbH nördlich von Dresden. Dort werden seit 1993 getrocknete Quarzkörnungen im Bereich 0-16 mm aufbereitet und Trockenmörtel produziert. 1996 erwarb Sigrano die Quarzwerke Lieben Minerals B. V. in Maastricht und übernahm den Vertrieb der dort aufbereiteten Quarzsande und Quarzmehle in Deutschland. Seit 1996 betreiben die Westdeutschen Quarzwerke in Hünxe bei Wesel eine Anlage zur Herstellung von Colorquarz unter der Firma WST Quarz GmbH. Im Jahre 1970 haben die Westdeutschen Quarzwerke die Sigrano Nederland N. V. im niederländischen Heerlen (Provinz Limburg) gegründet und dort ein Quarzwerk mit Mahlanlage errichtet. Im Jahr 2000 haben die Westdeutschen Quarzwerke und zugleich die ostdeutschen Quarzwerke Ottendorf-Okrilla einheitlich in Euroquarz GmbH umfirmiert, um der Ausweitung der geschäftlichen Aktivitäten auf dem europäischen Markt Ausdruck zu verleihen.

Dorstener Quarzprodukte hat Abnehmer in der ganzen Welt

Das Stammkapital der Euroquarz in Dorsten beträgt zwei Millionen Euro. Gesellschafter sind rund 30 natürliche Personen, wesentlich Abkömmlinge der drei Gründer von 1897. Die Unternehmen der Firmengruppe beschäftigen heute in Dorsten, Hünxe, Neuenkirchen und Ottendorf-Okrilla rund 200 Mitarbeiter. Die Quarzprodukte aus Dorsten und aus Ottendorf-Okrilla werden als Roh- und Hilfsstoff an Industriebetriebe in der ganzen Welt geliefert, z. B. in die Sahara, nach Australien, in die USA und nach Japan. Die Werke in Dorsten und in Ottendorf-Okrilla produzieren im Auftrag von in- und ausländischen Bau-Chemiefirmen Spezial-Betone für den Konstruktionsbau und für den Unterbau von maschinentechnischen Anlagen (schrumpfungsfreie Vergussmörtel) sowie hochfeste Fertigmörtel für Feuerschutzauskleidungen, Füllörter des Kohlebergbaus und Reaktoren von Kraftwerken. Diese Produkte sind bauaufsichtlich in mehreren europäischen Ländern zugelassen und werden weltweit exportiert.

2010 wurde Euroquarz GmbH einschließlich ihrer Tochtergesellschaft von der Lübecker Possehl-Gruppe übernommen. Zu den Anwendungsgebieten gehört die Herstellung von Filterkies und Fertigmörteln. Aber auch für so unterschiedliche Produkte wie Badewannen, Zahnfüllungen, Glasfasern oder industrielle Halbleiter werden Quarzkiese benötigt. Ein Umsatzplus von 16 Millionen Euro konnte Euroquarz 2010 verbuchen und rechnet auch 2011 mit stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen. 2011 waren 64 gewerbliche und 30 kaufmännische Mitarbeiter im Dorstener Werk beschäftigt.

Einsparungen durch „Ökoprofit“

Umweltschutz und Profit müssen sich nicht ausschließen. Daher beteiligt sich „Euroquarz“ am Ökoprofit-Projekt des Kreises Recklinghausen. Mit der Halbzeitbilanz 2013 ist der Prokurist Günther Lehmen zufrieden. Rund 35.000 Euro pro Jahr spart Euroquarz schon jetzt ein, bis November 2013 soll sich die Summe auf 100.000 Euro erhöhen. Die Einsparungen verbucht Euroquarz durch Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen, durch Beratung von Profis und nicht zuletzt durch das Einbinden von Ideen der eigenen Mitarbeiter.


Quelle:
Firmeneigene Darstellung des Unternehmens in der Jubiläumsschrift „Fünfzig Jahre Dorstener Quarzsand und Quarzkies“, 1947. – Auskünfte des Unternehmens 2012.

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