Dorsten kurios

Fundsachen: Kunst, Katze, Hund, Fische, SPD, Strapse und Pantoffeln

Ehrenmal Wulfen; Foto: Bludau

Strapse am Weltkriegs-Ehrenmal in Wulfen 2012; Foto: Guido Bludau (Wulfen-Wiki)

1926: Faulenzerverein. Sicher war der Holsterhausener „Faulenzer-Verein“ der obskurste Verein in Dorsten und Umgebung. Leider ist über diese Gruppe nicht mehr viel in Erfahrung zu bringen, denn der Verein führte keine Chronik. Das Schreiben einer solchen hätte im Widerspruch zum Faulenzen gestanden und gegen die Statuten verstoßen. 1926 macht eine Notiz im Adressbuch von Holsterhausen (damals 60 Vereine) auf diesen sonderbaren Verein aufmerksam, von dem noch eine „Einladungskarte zum Beitritt in den Faulenzer-Verein“ sowie die Statuten erhalten sind. Darin steht u. a., dass „alle Studierenden, welche die Universität Brauweiler mit dem Erfolge ,Unverbesserlich‘ verlassen haben, … sofort als Ehrenmitglied in den Verein aufgenommen“ werden. Mitglied konnte übrigens „jeder werden, der nachweisen kann, dass er an der Erfindung der Arbeit absolut unschuldig“ sei, und dass er des Morgens erst dann aufstehen könne, wenn er dazu fünfmal ohne Erfolg aufgefordert wurde. Das Wort Arbeit in den Mund zu nehmen, war äußerst verpönt und wer dieses Wort erklären konnte, musste den Verein unverzüglich und auf Lebenszeit verlassen.

1979: Tödlich verletzt im Tigerkäfig. Der Holsterhausener Kaufmann Werner Müller träumte davon, Dompteur zu werden. Daher kaufte er sich süße Löwen- bzw. Tigerbabys und brachte sie in einem Käfig im Garten seines Reihenhauses an der Pliesterbecker Straße 131 unter. Als sie ausgewachsen waren, fielen sie ihn – als er sie füttern wollte – an und töteten ihn.

1983: Tod auf dem Papier. Erstaunt nahm im Juli 1983 der Dorstener Postzusteller Helmut Bieletzki (geboren 1933) seinen Wochen vorher, am 20. Juni, stattgefundenen Tod zur Kenntnis, verbunden mit einer Aufforderung der Stadt Dorsten, den Transport seiner Leiche in das Krankenhaus zu bezahlen. Als Beweisstück lieferte die Stadt gleich den Totenschein mit. „Mir fielen die Augen aus dem Kopf“, meinte damals im übertragenden Sinne der quicklebendige Briefträger, der dann erleichtert feststellte, dass es noch lebte und es sich um einen Irrtum des Notarztes handelte.

1994: Partei in Bulgarien gegründet. Der Dorstener Albert Fahsel gründete 1994 in Bulgarien die Partei „Soziale Bulgarische Union“ (SBU), mit der er 1995 in das Parlament einziehen und den „bulgarischen Landsleuten“ (Staatsbürgerschaft war beantragt) deutsche Ordentlichkeit politisch  vermitteln wollte. Er träumte von Koalitioonsverhandlungen mit den etablierten Parteien. Fahsel hatte bereits ein Parteibüro über einem Fotoladen im bulgarischen Susse und über 30.000 DM in das Vorhaben gesteckt. Wenn er es zur Gründung überhaupt geschafft haben sollte, dann scheint seine Partei schnell wieder untergegangen zu sein.

2004: Hohlspiegel. Aus der „Süddeutschen Zeitung“ (12. Januar 2004): „Derzeit untersuchen die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamtes, welche Folgen der ausgetrocknete Fluss für Fische und andere Wasserlebewesen hat.“ (Originaltext in „Stadtspiegel“ Dorsten).

2006: Polizist führt Hund in Handschellen ab. Beim Dorstener Altstadtfest 2006 hatte ein Polizist einem herrenlosen Hund Handschellen angelegt. Das Tier hatte sich am Wochenende unter die Besucher eines Fests gemischt, teilte die Behörde mit. Da der Besitzer nicht aufzufinden gewesen war, hätten besorgte Bürger die Polizei gerufen. Da die Beamten keine Hundeleine zur Hand gehabt hätten, hatte einer der Ordnungshüter seine Handschellen im Halsband des Hundes eingehakt. Das Tier wurde zur Wache gebracht und einige Zeit später von seinem rechtmäßigen Besitzer abgeholt.

2006: Dorstener zerstörte in Köln HA Schult-Kunstwerke. Einem 37-jährigen Dorstener fehlte im Frühjahr 2006 wohl das Kunstverständnis – zumindest die Toleranz –, als er zusammen mit einem 48-jährigen Kölner Dutzende von „Müllmenschen“ des Kölner Aktionskünstlers HA Schult beschädigte. Die 54 zerstörten Objekte gehörten zu Schults 1.000 „Trash People“, die mannhoch aus Dosen und Computerschrott bestanden  haben. Das umfangreiche Kunstwerk vor dem Kölner Dom (bis 1. Mai 2006) war bereits an der Chinesischen Mauer und vor den Pyramiden in Ägypten zu sehen gewesen, ohne beschädigt zu werden. Der materielle Schaden in Köln betrug 60.000 Euro. HA Schult nahm es gelassen: „Es gibt keinen Grund, vor zwei Rabauken zu kneifen.“ Die beiden Kunst-Banausen waren angetrunken. Der Dorstener Beteiligte musste sich nicht nur wegen Sachbeschädigung, sondern auch wegen Körperverletzung verantworten. Denn er hatte einen Ausstellungsmitarbeiter geschlagen. Bei dem Verletzten handele es sich um den Ehemann von HA Schults Muse Elke Koska.

2008: Kleines Polit-Blättchen mit großem Ehrgeiz. „SPD gibt Zeitung für Dorsten heraus“ und „Mit Ehrgeiz und frischen Ideen startet die SPD ins neue Jahr“ steht in fetten Buchstaben auf Seite 1 der ersten Ausgabe des SPD-Stadtverbands-Blättchens „Dorsten im Blick“ (1/2008). Bei der „Zeitung“ handelte es sich um ein DIN A 4-Blatt (oder auch zwei), vorne und hinten bedruckt und in der Mitte gefaltet. Ehrgeizig das Impressum. Da liest man erstaunt, wie viele Menschen in welchen Funktionen an diesem Blättchen mitgearbeitet haben. Herausgeber: SPD-Stadtverband Dorsten, Vorsitzender Carsten Entinger. Soweit ganz in Ordnung; dem Pressegesetz ist Genüge getan. Doch der Reigen geht weiter: Der Zettel hatte auch noch einen „Chefredakteur“ (Winfried Hess), einen „Chef vom Dienst“ (Andreas Brüser) und eine „Redaktion“ (Jörg Süselbeck, Carsten Entinger, Martin Hagemann und Volker Jenau). War die ganze Mannschaft mit Chefs und Impressum-Stelleninhaber mit dem DIN A 4-Blatt überfordert? Scheint so! Denn sie suchten auf Seite 1: „Wer sich für die Mitarbeit bei ,Dorsten im Blick’ interessiert, kann sich gerne im Parteibüro melden.“

2008: Kater versehentlich im Paket von Bayern nach Dorsten verschickt. Ein Stubentiger namens „Janosch“ brachte im Sommer 2008 eine abenteuerliche Reise hinter sich: Der einjährige Kater wurde versehentlich in einem Paket 700 Kilometer vom bayerischen Rottach-Egern nach Dorsten verschickt. Das Tier war unbemerkt in das Paket geklettert, mit dem ein Kindersitz verschickt wurde. Der schwarze Kater hatte sich in die Wohnung der Nachbarin seines Frauchen geschlichen und es sich in dem Karton offenbar so bequem gemacht, dass er nicht bemerkte, wie er zugeklebt wurde. Erst bei der Postfiliale in Dorsten habe ein Mitarbeiter bemerkt, dass sich das Paket bewegte und das Tier befreit. Janosch überstand die lange Reise übrigens unversehrt. Bis der Kater Ende Juni von seiner 44-jährigen Besitzerin abgeholt werden konnte, verbrachte er mehrere Wochen im Dorstener Tierheim, wie die Bild-Zeitung weiter berichtete. Zudem schrieben u. a. der Spiegel, der Focus, die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine, die Deutsche Presse-Agentur (dpa) darüber und mehrere TV-Sender berichteten aktuell über den verschickten Kater.

2012: Model mit Strapsen am Ehrenmal für Gefallene. Für Erregung sorgte Vortag des Volktrauertags im November ein trotz der kühlen Temperaturen außerordentlich leicht bekleidetes Model. Es posierte vor einem Fotografen am Ehrenmal, das die Schützen für die Feier zum Volkstrauertag am Sonntag vorbereitet hatten, was nicht unbemerkt blieb. Einige Leute quittierten die Aktion mit einem Lächeln, andere mit einem Kopfschütteln. Am nächsten Tag stand das Ehrenmal im Mittelpunkt einer Trauerfeier für die Toten und Gefallenen der beiden Weltkriege.

2013. Pantoffelkrieg vorm Oberlandesgericht: Vor dem OLG Hamm hatte sich Anfang 2013 ein Dorstener Pantoffelhändler ein Duell mit einer Konkurrentin aus Bielefeld geliefert. Der Dorstener war wegen unlauteren Wettbewerbs verklagt worden und musste eine Niederlage einstecken. Dabei ging es nicht um die Auseinandersetzung der beiden, mit welchen Dingen sie ihre Wärmepantoffeln „heizen“. Er füllt seine Hausschuhe mit Traubenkernen, sie mit Leinsamen. Beides macht die Pantoffeln warm. Vielmehr ging es um seine umstrittene Verkaufsklausel, mit der er seine Traubenkern-Pantoffeln über der Internetplattform Ebay anbot: „Angegebene Lieferfristen stellen nur einen Richtwert dar und geltend daher nur annähernd vereinbart (Zirka-Fristen).“ Und das ist so nicht erlaubt. Denn das BGB verbietet vagen Fristregelungen. Somit entschied das OLG Hamm gegen den Dorstener und bestätigte damit ein 2012 vom Landgericht ergangenes Urteil. Klaus-Dieter Krause am 1. Februar 2013 in der DZ: „Ob er nur mit Traubenkernen zwischen den Zähnen geknirscht hat oder zum juristischen Gegenschlag gegen die Leinsamen-Lieferantin ausholt, ist nicht bekannt.“

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