Tennislehrer pädophil (II)

Ex-Geliebte zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen Kindsmissbrauch

Die Angeklagte neben ihrem Verteidiger Thomas Schwieren; Foto: M. von Braunschweig

Der Missbrauchs-Skandal gegen einen früheren Dorstener Tennislehrer zieht immer weitere Kreise. Ende Juni hatte auch eine frühere Geliebte aus Haltern am Landgericht Essen ein Geständnis abgelegt und zugegeben, sich ab Sommer 2017 immer wieder mit dem damaligen Tennislehrer eines Dorstener Vereins getroffen zu haben. Mehr als zehn solcher Treffen hat es schließlich gegeben. Und während sie sich mit ihrem Geliebten vergnügt hatte, hätten sich manchmal auch ihre beiden drei Jahre und ein Jahr alten Kinder im gleichen Zimmer aufgehalten. Der Frau war klar, dass sie dabei alles mitbekamen. „Ich möchte nicht, dass sie einen Hau davon bekommen“, schrieb die Angeklagte dem Tennislehrer einmal in einer Kurznachricht. Solche Treffen fanden im Dorstener Vereinsheim, in der Wohnung der Halternerin oder aber auch schon mal auf einer öffentlichen Toilette statt. Körperlich wurde den Kindern zu keiner Zeit etwas angetan. Aber schon der Geschlechtsverkehr vor den Augen Minderjähriger gilt als sexueller Missbrauch. Das Gericht verurteilte die Halternerin zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Nach Auffliegen des Skandals hatte die Angeklagte umgehend das Sorgerecht für die beiden Jungen verloren. Die Kinder wachsen nun bei ihrem Vater auf.

Für sie war der Tennislehrer wie ein „Sechser im Lotto“

Die 27-Jährige hatte den Tennislehrer im Sommer 2017 über ein Dating-Portal kennengelernt. Die junge Mutter, gerade von ihrem Mann getrennt, war auf der Suche nach einer neuen Partnerschaft. Den Tennislehrer bezeichnete sie im Prozess als „Sechser im Lotto“. Der 39-Jährige habe ihr endlich wieder das Gefühl gegeben, wertvoll zu sein. Auch habe er akzeptiert, dass sie zwei kleine Kinder und keine Model-Figur hatte. Schon bald nach dem ersten Treffen seien sie schließlich im Bett gelandet, erklärte die 27-Jährige den Richtern. Doch das, was in den folgenden Wochen geschah, konnte sie dann doch nicht so richtig erklären. Irgendwann fing der Tennislehren zu fragen an, ob sie nicht ihre beiden Kinder zu den sexuellen Treffen mitbringen wolle.
„Mir kam das schon merkwürdig vor, aber ich hätte nicht gedacht, dass sein Interesse wirklich den Kindern galt“, so die Anklage weiter. Sie sei vielmehr davon ausgegangen, dass der Tennislehrer es als Lust-Kick empfand, wenn ihm überhaupt jemand bei Sexspielen zusah. „Ich wollte ihn nicht verlieren, deshalb habe ich das dann gemacht“, so die Halternerin.

Weiterer Prozess mit mindesten 86 gegen Tennislehrer wird folgen

Unterdessen wird gegen den Tennislehrer weiter ermittelt. Die Staatsanwaltschaft ist immer noch dabei, die Telefone des Mannes auszuwerten und in den Chats mit Hunderten Frauen aus, um weitere mögliche Missbrauchsfälle aufzudecken. Es wird sicherlich noch einmal einen Prozess geben, so die Staatsanwalt. Die erste Strafe von vier Jahren und neun Monaten Haft hat der Tennislehrer sofort akzeptiert. Aktuell habe die Ermittlungsbehörde Fallakten bislang über die 86 Frauen, zu denen es Kontakte gab.

Siehe auch: Tennislehrer I
Siehe auch: Kriminalität
Siehe auch: Missbrauch


Quelle: Nach Martin von Braunschweig in DZ vom 27. Juni und 6.Juli 2019

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