Reichstag 1933 bis 1945

NSDAP-Abgeordnete aus Westfalen-Nord (Wahlkreis 17)

Noch während der Zeit des Nationalsozialismus fanden Wahlen zum Deutschen Reichstag statt. Reichstagspräsident war im gesamten Zeitraum Hermann Göring (NSDAP). Nachdem der Reichstag nach der Reichstagswahl am 24. März 1933 mit Zweidrittelmehrheit das so genannte Ermächtigungsgesetz beschlossen und damit seine Gesetzgebungskompetenz an die Reichsregierung abgetreten hatte, wurde das Parlament in jener Zeit mitunter spöttisch als der „teuerste Gesangsverein Deutschlands“ bezeichnet, weil er außer dem Singen der  Nationalhymne keine Funktion mehr hatte. Gemäß den Regelungen des Weimarer Wahlgesetzes wurde für je 60.000 abgegebene Stimmen ein Sitz erteilt. Im achten Reichstag (1933), zu dem die KPD-Abgeordneten ihr Mandat bereits nicht mehr antreten konnten, befanden sich unter den damals insgesamt noch 647 Abgeordneten 29 Frauen (3,9 Prozent) und insgesamt 43 Abgeordnete für Westfalen (21 Abgeordnete für Westfalen-Nord und 22 für Westfalen-Süd).

Reichstag 1941, ein "Bestätigungs-Parlament" für den Diktator Hitler

Reichstag 1941, ein „Bestätigungs-Parlament“ für den Diktator Hitler

Reichstag hatte zuletzt 855 Abgeordnete

Da, wie in Diktaturen meist üblich, die Wahlbeteiligung sehr hoch war, aber auch wegen der neuen zum Reich gehörenden Gebiete (Sudetenland, Österreich), nahm das Parlament bedeutend größere Ausmaße an als noch 1933. Zuletzt gab es 855 Abgeordnete; Adolf Hitler war mit der Nr. 433 dabei, gewählt im Reichstagswahlkreis 24 (Oberbayern-Schwaben).

Dorsten gehörte mit dem preußischen Regierungsbezirk Münster zum Wahlbezirk 17, das ist Westfalen-Nord. Diesem Wahlbezirk gehörten noch an: der preußische Regierungsbezirk Minden sowie der Kreis Schaumburg, Lippe und Schaumburg Lippe. Wahlen zum Reichstag bzw. „Volksabstimmungen“, die im demokratischen Sinne keine waren, gab es im November 1933 (Austritt aus dem Völkerbund), im August 1934 (Zustimmung zu Adolf Hitler als Führer und Reichskanzler), im April bzw. Dezember 1938 (Zustimmung zum Anschluss Österreichs und Sudetendeutsche Ergänzungswahl). Bei den Wahlen stand nur die NSDAP auf der Wahlliste. Daher bestand der Reichstag nur aus NSDAP-Mitgliedern. Im April 1942 fand die letzte Sitzung des „Großdeutschen Reichstags“ statt, in der der „Führer“ zur endgültigen Entscheidungsinstanz gemacht wurde.

Abgeordnete aus Westfalen-Nord

Dem Reichstag gehörten als Abgeordnete der NSDAP aus Westfalen-Nord (Wahlkreis 17) an:

  • Herbert Barthel (1895-1945) von 1938 bis 1945; NSDAP-Kreisleiter Recklinghausen Land.
    Karl Dreyer (1898-1974) von 1933 bis 1945; Landespräsident im Freistaat Schaumburg-Lippe, SA-Führer.
  • Heinrich August Knickmann (1894-1941) 1932 (von 1933 bis 1941 für den Wahlkreis 18, Westfalen-Süd); fiel als SS-Offizier in der Sowjetunion.
  • Dr. Alfred Meyer (1891-1945) von 1930 bis 1932 und von 1933 bis 1945; Gauleiter von Westfalen-Nord in Münster.
  • Paul Faßbach (1897-1945) von 1933 bis 1945; SA-Führer.
  • Dr. Curt Fischer (1901-unbekannt) von 1933 bis 1945; Staatswissenschaftler.
  • Christian Franke (1891-1972) von 1933 bis 1945; Gauwirtschaftsberater, Präsident der Industrie- und Handelskammer Münster.
  • Heinrich Göckenjan (1900-1986) von 1932 bis 1945; SS-Führer.
  • Heinrich Haake (1892-1945) von 1933 bis 1945; SA-Gruppenführer. Er starb im Internierungslager Hillerheide in Recklinghausen.
  • August Heißmeyer (1897-1979) von 1933 bis 1945; SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS.
  • Rolf von Humann-Hainhofen (1885-1961) von 1936 bis 1945; SS-Brigadeführer und Führer des SS-Abschnitts XVII Münster.
  • Fritz Emil Irrgang (1890-1951) von 1933 bis 1945; SA-Standartenführer, Oberbürgermeister von Bottrop (1933/34), OB von Bocholt (1934/38) und OB von Recklinghausen (1938/45).
  • Karl Jackstrien (1899-1943) von 1937 bis 1943; SA-Oberführer in Gelsenkirchen, fiel als Soldat in der Sowjetunion.
  • Bernd von Kanne (1884-1967) von 1933 bis 1945; Reichskommissar für Milch- und Fettwirtschaft, Vorsitzender des SS-Vereins „Lebensborn“ und SS-Oberführer.
  • Walter Knop (1906-unbekannt) von 1936 bis 1945; Richter am Obersten Parteigericht der NSDAP.
  • Albert Kost (1897-1947) von 1933 bis 1945; SS-Obersturmbannführer und Major der Wehrmacht.
  • Hans Joachim Riecke (1899-1987) von 1933 bis 1938; Ministerialbeamter, Reichskommissar für Schaumburg-Lippe, Staatssekretär und SS-Gruppenführer.
  • Peter Stangier (1898-1962) von 1933 bis 1945; Stellvertretender Gauleiter von Westfalen-Nord, SA-Brigadeführer, Kriegsverbrecher.
  • Walter Steinecke (1888-1975) von 1933 bis 1945; Gaukommissar und SA-Sturmbannführer.
  • Hans Vogel (1887-1955) von 1936 bis 1945; Polizeipräsident von Recklinghausen und SA-Brigadeführer.
  • Adolf Wedderwille (1895-1947) von 1933 bis 1945; NSDAP-Kreisleiter von Lippe, starb im Internierungslager Vehlen.
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