Frundsberger

Dorstener Freundeskreis der SS-Panzer-Division trauert jährlich

"Frundsberger"-Angehörige am Holsterhausener Waldfriedhof

„Frundsberger“-Angehörige am Holsterhausener Waldfriedhof; Fotos: Walter Biermann

Von Wolf Stegemann – Alljährlich treffen sich auf Einladung eines (SS)-„Freundeskreises Dorsten“ am Volkstrauertag in Dorsten Angehörige und Bewunderer von gefallenen SS-Soldaten auf dem Kriegsgräber-Friedhof im Holsterhausener Waldfriedhof. Sie trauern nicht still, sondern mit einem Ritual, zu dem eine Fahne mit Eisernem Kreuz ebenso gehört, wie Reden, Kränze und auch mal eine Bundeswehruniform. Die rituelle Trauerfeier gilt den fünf hier 1945 gefallenen Angehörigen des SS-Artillerie-Regiments 10 der SS-Panzer-Division „Frundsberg“. Beispielsweise nahmen an der Gedenkstunde am 15. November 2009 über zehn Personen teil, davon ein fast 90 Jahre alter Angehöriger der SS-Einheit, ein Bundeswehr-Feldwebel in Uniform (vermutlich a. D.) sowie ein Fahnenträger mit Zylinder. Pikanterweise nahm auch der inzwischen verstorbene SPD-Kommunalpolitiker Hans Löns aus Holsterhausen mit Gattin teil. So schnell und ohne Aufsehen die Gruppe gekommen war, so schnell verschwand sie nach dem Ritual. Um anonym zu bleiben, stand auf den schwarzen Trauerbändern am Kranz ohne nähere Bezeichnung lediglich „Freundeskreis Dorsten“.

Fünf gefallene „Frundsberger“ auf dem Holsterhausener Waldfriedhof

Gräberanlage der Gefallenen in Holsterhausen

Fahnenwache: Gefallenengräber in Holsterhausen

Und das hat seinen guten Grund. Denn die Treffen der „Kameradschaft Frundsberg“, ein Zusammenschluss ehemaliger Angehöriger der SS-Division „Frundsberg“, gibt es heute noch an vielen Orten, wo diese SS-Einheiten Soldaten verloren haben, vor allem in Spremberg (Cottbus), wo die Division 1945 von den Russen überrollt und vernichtet wurde. Wenn es auch nur noch wenige heute sehr alte Überlebende von damals gibt, so halten doch einige ihrer Kinder und Kindeskinder die einstigen Ideale der SS-Einheit heroisierend in Ehren, denn für sie gilt heute noch, dass die „Frundsberger“ unter ihrem SS-Brigadeführer Heinz Harmel (gestorben 2000 in Krefeld) die beste „Wehrmachtseinheit“ gewesen war. Ihre heute noch zelebrierten Rituale werden in der Öffentlichkeit, von der Presse und Politik weitestgehend verurteilt. Daher hat es sich die „Kameradschaft Frundsberg“ angewöhnt, ohne Öffentlichkeit zu agieren. Ihr Credo: „Wir treffen uns überall dort, wo Frundsberger gefallen sind!“

Angehörige der "Frundsberger" trauen

Angehörige der „Frundsberger“ trauern

Auf dem Holsterhausener Waldfriedhof sind fünf „Frundsberger“ bestattet, denen das alljährliche Erinnerungsritual gilt: Ludwig Feldmann (1906-1944), Hermann Franke (1929-1944), Hans Kleint (1926-1944), Heinrich Link (1925-1944) und August Rodel (1918-1944). Das Durchschnittsalter der SS-Männer in der Division „Frundsberg“ lag damals bei 20 Jahren. Die Einheit kämpfte im Osten wie im Westen, auch in Arnheim und Nimwegen. Sie wehrten die dort operierenden alliierten Fallschirmtruppen (Operation „Market Garden“) erfolgreich ab. Auf dem Rückzug zum Niederrhein Ende 1944 berührten Teile ihrer Einheit Dorstener Gebiet.

Auch Günter Grass war ein „Frundsberger“

Ins Bewusstsein der Öffentlichkeit ist die SS-Division „Frundsberg“ 2009 getreten, als der Schriftsteller und Nobelpreisträger Günter Grass zugab, mit 17 Jahren ein „Frundsberger“ gewesen zu sein. Seither sind auch etliche Politiker in Verruf geraten, weil sie als Mitglied der Kameradschaftsvereinigung an den Veranstaltungen teilgenommen haben bzw. noch teilnehmen oder sogar Mitglied eines ihrer Kameradschaftsvereine sind.


Quellen:
Mündliche Information eines Mitglieds des Freundeskreises. – Beobachtung des Treffens auf dem Friedhof am 15. November 2009.

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