Einquartierungen III (Essay)

18. Jahrhundert: Französische Truppen standen in Land

Von Wolf Stegemann – In den Kriegen des 18. Jahrhundert beherrschten die Franzosen weite Teile des Rheinlands und von Westfalen. Meist kamen sie als Feinde, mitunter als Verbündete des Landesherrn, doch immer zu Lasten der Bürger.

Preußische Husaren im 18. Jahrhundert

Preußische Husaren im 18. Jahrhundert

1673 Marschall Turenne in Dorsten: Von Wesel aus, das völlig ausgeplündert worden war, rückte am 17. Januar 1673 der französische Marschall de la Tour d’Auvergne Graf von Turenne auf Dorsten vor und bezog in der Stadt Quartier (siehe Turenne).

1685, 1694, 1697, 1698 kürfürstliches Militär: Auf dem Kriegszug nach Lüttich zogen Truppen des Kurfürsten von Köln unter Befehl des Oberst-Leutnants von Mümmen und Oberwachtmeister von Billerbeck durch die Herrlichkeit und nahmen am 18. März 1685 Quartier. Sie verursachten Kosten von insgesamt 250 Reichstalern, 17 Schillingen und sechs Deut. – Am 26. Dezember 1694 passierte der Fürstbischof die Herrlichkeit. Begleitet wurde er von vier Kompanien unter Oberst von Hanstein. Der Oberst wurde mit 238 Mann und 258 Pferden in Altschermbeck einquartiert. Die Truppe verzehrte für 221 Reichstaler und 30 Schillinge. – Oberst Conarens passierte am 30. September 1697 mit seinem Fußregiment die Brücke in Dorsten. Er wurde mit der Leibkompanie, dem Stab und der Brevingschen Kompanie in der Herrlichkeit und in Dorsten einquartiert. Danach marschierte er weiter in sein Standquartier nach Steinfurt. – Am 30. Oktober 1697 durchquerten münstersche Truppen, die von einem Feldzug gegen die Franzosen zurückkehrten, die Herrlichkeit. Sieben Kompanien des Elberfeldtschen Regiments kehrten am 24. und 25. November 1697 vom Feldzug zum Niederrhein zurück. Sie wurden in der Herrlichkeit verpflegt, was über 317 Taler kostete. – Vom 26. auf den 27. Mai 1698 wurde der Oberst Freiherr von Landsberg in der Herrlichkeit einquartiert. Sein Regiment war auf dem Weg zum Rhein, um dort die Franzosen in Schach zu halten. Das Regiment verbrauchte einschließlich des Trosses mit 28 Wagen und Vorspannpferden 699 Taler.

Abrechnungen angezweifelt: In den Jahren von 1704 bis 1716 beschäftigten sich die offiziellen Ämter mit der Verrechnung der Durchmarschkosten. Die Herrlichkeit Lembeck forderte 2.000 Taler, hatte aber nur insgesamt 655 Taler aus Regierungsmitteln erhalten. Die Regierung beanstandete die Abrechnung, weil der in der Herrlichkeit zuständige Richter Maerle einerseits die Befehle der Regierung nicht befolgte und zum anderen bei der Verpflegung vor allem von Offizieren höhere Rechnungen ausgestellt hatte. Die Regierung wollte erst nach Berichtigung der Rechnungen zahlen.

1733 preußische Truppen: Im Jahre 1733 entstand wegen der Königswahl in Polen ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich. Dorstens kurfürstlicher Landesherr weigerte sich, sein Reichskontingent zu stellen. Um ihn zu bestrafen, bezogen im Dezember 1734 preußische Truppen unter dem Befehl von Capitain von Schönemark mit seiner Kompanie (145 Mann) in der Herrlichkeit Quartier, die drei Tage lang verpflegt werden mussten. Während des Winters hatte die Herrlichkeit zudem Fourage an die Magazine in Borken und Haltern zu liefern.

1741 französisches Militär: Nach Ausbruch des Österreichischen Erbfolgekriegs standen 40.000 französische Soldaten im Land und bezogen im Jülischen, Bergischen, Kölnischen, Münsterschen, Paderbornschen und Osnabrückschen Quartier. Mit einer starken Garnison waren auch die Städte Dorsten und Haltern betroffen, nicht aber die Herrlichkeit. Allerdings musste die Herrlichkeit nach Haltern Holz, Heu, Hafer und Stroh liefern. Darüber machte der Pfarrer von Hervest, Freißem, die Anmerkung, dass den „Bauern wenig oder gar nichts zugute gekommen sei, weil das Geld durch Lembeckische Hände aufgeteilt worden sei“.

1744 hannoversche Bataillone: Mit Einwilligung des Kurfürsten marschierten im Jahre 1744 drei Bataillone und 16 Eskadronen königlich hannover-großbritannische Truppen durch das Stift und überquerten bei Dorsten die Lippe, um nach Rheine zu gelangen. Das Bataillon Soubiron mit sieben Kompanien zu je 100 Mann wurde am 9. April in Lembeck, Wulfen und Lippramsdorf einquartiert. Die Truppen mussten das Malt Hafer mit zwei Talern, 18 Schillingen und acht Deut bezahlen. Der Zentner Heu kostete 14 Schillinge und der Zentner Stroh sieben Schillinge.

1757 französische Truppen: Im Krieg zwischen Österreich und Preußen schloss der Kürfürst von Köln mit den beteiligten Franzosen einen Separatfrieden. Das hatte zur Folge, dass im Frühjahr 1757 starke französische Militärkolonnen durch die Herrlichkeit zogen und im Münsterland feste Plätze einnahmen. In Wulfen wurde ein Magazin  mit 10.000 Rationen errichtet. Täglich mussten 16 einspännige Wagen, 20 Vorlege- und 12 Reitpferde in Bereitschaft gehalten werden. Ende April wurde für rund 40.000 Mann alliierter französischer Truppen, die über Borken und Coesfeld nach Rheine im Anmarsch waren, Fourage zur Verfügung gestellt. Am 9. Mai waren wiederum 10.000 Rationen erforderlich. Die Bevölkerung der Herrlichkeit wurde aufgerufen, alles, was sie entbehren konnten, ins Magazin nach Münster abzuliefern. Französische Kommissare beaufsichtigten das Wulfener Magazin, das auch von Prinz von Beauvois [?] Anfang April 1757 besucht wurde. – In diesem Monat fanden viele Aufmärsche über Lembeck, Wulfen und Dorsten statt. Die Kirchspiele Holsterhausen, Lembeck, Wulfen, Hervest und Altschermbeck waren durch Einquartierungen stark in Mitleidenschaft gezogen. Am 8. Mai traf die Vorhut der französischen Armee bei Hervest ein, wo das Lager aufgeschlagen, Holz in der gesamten Umgebung abgehauen und in die Häuser gewalttätig eingedrungen wurde. Am 15. des Monats traf die Hauptarmee mit 35 Bataillonen und 24 Eskadronen ein, die von Marschall D’Estreés  kommandiert wurden und nach Münster marschierten. Ende Mai hatte die Armee in der Gegend von Haane bei Lembeck und auf dem Hattkamp in Altschermbeck Lager aufgeschlagen, was weit und breit die Feldfrüchte verdarb. Am 3. Juni traf wieder eine französische Truppenkolonne im Lager ein.
Vom 23. bis 27. Juni lagen französische Truppen aller Waffen bei Dorsten. Am Pastorat in Hervest lagerten General Brisac und die Kavallerie des Grafen von Fümel. Bei Schermbeck standen auch französische Soldaten. Am 8. Juli traf das französische Regiment Perigord in Lembeck ein, am 15. Juli rückte das Nassau-Usingsche Bataillon in Wulfen, am 16. Juli das königlich-französische Bataillon „milice de peusprie“ in Lembeck, am 22. Juli ein Bataillon von schweizerischen Jennerschen Regiment in Lembeck und am 30. August vier Eskadronen französischer Carabinieres unter dem Kommando von Oberst de la Tour d’Auvergne Graf von Turenne in Lembeck und Wulfen ein. Der Schaden, den die französischen Truppen an Wiesen, Weiden und Holzungen angerichtet hatten, belief sich auf insgesamt 17.000 Taler. Die Rechnung wurde an die französische Intendantur eingereicht.

1758 hannoversche, hessische und preußische Einheiten: Im darauf folgenden Frühjahr des Jahres 1758 verdrängten die alliierten hannoverschen, hessischen und preußischen Truppen die Franzosen. Zuerst trafen einzelne Kommandos ein, die die Herrlichkeit durchstreiften und der Bevölkerung Essen und kleinere Geldsummen abpressten. In dieser Beziehung haben sich besonders die preußischen Dragoner vom Regiment Prinz Holstein und die Husaren von der Beust’schen Eskadron hervorgetan, die am 3. und 4. sowie am 18. April Wulfen, Lembeck, Altschermbeck und Rhade heimsuchten. Später traf die hannoversche Armee ein, die in Lembeck und Wulfen Lager bezog, das sie am 5. Juni wieder verließ. Zum Transport ihrer Bagage mussten alle Pferde der Herrlichkeit aufgeboten werden.
Im August und September 1758 kampierten die Hannoveraner unter dem General von Kielmannseck in der Bauerschaft Specking in Lembeck, eine andere hannoversche Armee bei Haltern. Beide Armeen ließen sich wiederholt von den Gemeinden Lembeck und Hervest versorgen und richteten großen Schaden an, den die Gemeinden mit insgesamt über 8.600 Talern in Rechnung stellten. An Spannvieh war die Herrlichkeit so erschöpft, dass im März 1759, als die Herrlichkeit innerhalb von zehn Tagen 50 Wagen stellen sollte, um Hafer von Loh nach Münster zu bringen, es nur noch 25 Pferde gab, von denen fünf von der Krätze befallen waren. Die alliierten Truppen hielten die Herrlichkeit besetzt und am 28. Mai kampierten immer noch vier Eskadronen mit 100 Mann kurhannoversche Truppen in Lembeck. Doch rückte unter General von Armentier ein neues französisches Heer von Wesel heran, das den bei Dülmen stehenden General von Wangenheim nötigte, die hiesige Gegend zu verlassen. Am 9. Juli begann die Belagerung der Stadt Münster, die die Franzosen zwar einnahmen, sich aber im November wieder zurückziehen mussten. Die Truppen streiften durch die Herrlichkeit und nahmen den Bauern Zugvieh weg. Doch hatten die Eingesessenen das schon erwartet und versteckten sich mit ihrem Horn- und Zugvieh in den Wäldern. Bei Schermbeck lagerten Freikorps-Husaren.

1761 braunschweigsche Plünderung: Der Herzog von Braunschweig ließ im Jahre 1761 die von dem französischen Befehlshaber Soubise besetzte Stadt Dorsten beschießen und plündern. Von September 1761 bis November 1762 hielt ein französisches Armeekorps unter General Graf Ludwig von Clermont, Prinz von Bourbon-Condé und dem Befehlshaber Charles de Rohan, Prinz von Soubise die Lippe besetzt. Die Truppen lagen zum Teil in Lippramsdorf und Wulfen im Quartier.
General Graf Ludwig von Clermont, prince de Bourbon-Condé (1709 bis 1771) war französischer General und nahm am Kommandeur von Armeekorps am Polnischen Krieg sowie am Österreichischen Erbfolgekrieg teil. Als 1745 die Marschälle von Sachsen und Löwendahl im Kommando des Heeres gegen die Niederlande vorgezogen wurde, zog sich der General beleidigt zurück. – Charles de Rohan, prince de Soubise (1715 bis 1787) war französischer General, 1758 Marschall von Frankreich und später Staatsmann und als Fürst von Soubise Pair von Frankreich.

1762 französische Armee: Im Sommer 1762 rückte eine neue französische Armee unter dem Kommando des Prinzen von Condé heran, die das Zerstörungswerk vollendete. Die Vorhut traf am 22. Juni ein, während der General von Dupchon in Altschermbeck ein Lager bezog, das er am 24. Juni nach Hervest verlegte. Am selben Tag ließ der Graf von Clermont, Prinz von Bourbon-Condé Altschermbeck, Erle und Holsterhausen völlig abfouragieren. – Am 30. Juni kehrte der General von Travers mit der Brigade Dárbonier von der Armee zurück, bezog in Wulfen Lager und setzte am 1. Juli in Dorsten über die Lippe. Das mitgeführte Hospital mit der militärischen Bedeckung wurde dreimal in Wulfen einquartiert, ebenso die großen Transportzüge mit Wein, Brot und anderen Nahrungsmitteln, die der Armee folgten. Der Marsch dieser großen Armee mit Pferden, Wagen und großen Herden von Ochsen und Schafen, richteten großen Schaden an, der am 5. Juli desselben Jahres gerichtlich aufgenommen und auf über 47.000 Taler taxiert wurde. Erst der Friede von Hubertusburg führte am 15. Februar 1763 zu Frieden in Deutschland und machte den Verwüstungen in der Herrlichkeit ein Ende.

1794 kaiserliche Truppen: Nachdem die Franzosen 1794 das linke Rheinufer erobert hatten, nahm die Herrlichkeit Lembeck das letzte Mal kaiserliche Reichstruppen auf, die die Franzosen bekämpften. Am 17. November trafen die Truppen des kaiserlichen Generals von Werneck in der Herrlichkeit ein, der in Wesel ein Scharmützel mit den Franzosen hatte. Sie quartierten sich in Wulfen ein, stationierten dort ihren Fahrzeugpark und die Pferde, die in einem schlechten Zustand waren. Täglich fielen Pferde aus. Die Mannschaften hatten mit der Bevölkerung ein gutes Einvernehmen, bezahlten in bar und bezogen ihre Lebensmittel aus Magazinen.

1795 Ende der geistlichen Fürstentümer durch Gebietsausgleich: Am 25. März 1795 setzten die Franzosen bei Düsseldorf über den Rhein, worauf sich die kaiserlichen Truppen zurückzogen. Die deutschen Fürsten, die ihre Gebiete linksrheinisch eingebüßt hatten, sollten auf Anordnung der Franzosen vom deutschen Reich entschädigt werden und zwar durch Säkularisation der geistlichen Fürstentümer, darunter Köln und Münster. Auf dieser Grundlage wurde in Rastatt Frieden geschlossen.


Quelle:
Brunnsche Chronik der Herrlichkeit Lembeck bis 1880, hg. vom Heimatverein Wulfen, 1988.

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