Hohenkamp

Vom einem alten Herrensitz zur modernen Reitanlage

Zu Holsterhausen gehörend, erstreckt sich zwischen Kanal, Baldurstraße und dem Fußgängerweg von Holsterhausen zur Altstadt ein weitläufiges Areal, das topografische Hohefeld, das als ehemaliges landwirtschaftliches Gut Hohenkamp bekannt ist, auf dem seit 2008 eine moderne Reitsportanlage für rund 90 Pferde nach neuesten reitsportlichen Erkenntnissen untergebracht ist.

Gutshaus 1909

Gutshaus Hohenkamp 1909

Gut Hohenkamp mit Haus Hagenbeck an die Lembecker Schlossherren

Die Bezeichnung „Haus Hohenkamp“, die man in der Literatur auch findet, weist auf eine frühe geschichtliche Bedeutung des Gutes hin. Allerdings gibt es hierfür keinen Beleg. In Westfalen stand der Begriff „Haus“ für eine wehrhafte Burg (Berg), und vor allem später für „Herrensitz“, was dokumentiert, dass die Wehrhaftigkeit allmählich verloren gegangen war und durch Wohnlichkeit ersetzt wurde.

Gut Hohenkamp 2003, Foto: JF

Historiker belegen, dass Hohenkamp im 14. Jahrhundert zu Hagenbeck gehörte und von dort verwaltet wurde. In den folgenden Jahrhunderten hatte Hagenbeck mit dem Gut Hohenkamp mehrere Besitzer: Freiherrn von Metternich-Virneburg-Bielstein und ab 1639 die Reichsgrafen von Velen. 1697 ging mit Haus Hagenbeck auch Hohenkamp an den Freiherrn von Westerholt-Hackfurth zu Lembeck über, dessen Erbtochter den Freiherrn Dietrich von Merveldt heiratete, dessen Sohn der Kaiser 1726 in den erblichen Reichsgrafenstand erhob.

Besitzer: Merveldt, Duesberg, Raesfeld, Hoesch AG, Haag-Molkenteller

Gutsbesitzer Ostrop schiebt den Wagen mit den Frauen, 1938

Gutspächter Ostrop (r.) schiebt den Wagen 1938

Die Tochter des Rentmeisters und Verwalters von Haus Hagenbeck, Constantin Wesener, heiratete 1774 den Dorstener Patrizier Peter Josef Duesberg, der seinem Schwiegervater in das Amt des Verwalters von Hagenbeck folgte und das Gut Hohenkamp von der Familie von Merveldt erwarb. Seine Erben verkauften Hohenkamp 1827 an den gebürtigen Dorstener Johann Albert Maria von Raesfeld, der zunächst Rentmeister, später Pächter auf Haus Ostendorf, dem ehemals Raesfeldschen Besitz war. Sein 1802 geborener Sohn Josef erbte Hohenkamp und kaufte das Colonat Pliesterbeck 1841 für 3.110 Taler dazu. Josef von Raesfeld hatte drei Söhne: Carl (Herr auf Hohenkamp, er starb unverheiratet 1904), Fritz (Herr auf Pliesterbeck, er starb unverheiratet zwei Jahre später) und Engelbert (er hatte sieben Kinder). Dessen viertgeborener Sohn Julius war der letzte Eigentümer von Hohenkamp. Im Zuge der Industrialisierung des nördlichen Lipperaums gelangte das Gut Hohenkamp an die Hoesch AG und wurde zum großen Teil für Wohnbebauung verwendet. Heute erinnert noch die Juliusstraße in Holsterhausen an den letzten Besitzer von Gut Hohenkamp aus der Familie von Raesfeld. Die landwirtschaftlichen Flächen und das Gehöft wurden in der Folgezeit an Landwirte verpachtet, zuerst an die Familie Ostrop, die dort einen bekannten Schnaps brannte, und danach an die Familie Lochthowe. Durch den Rückgang des Kohleabsatzes kam es zur Einheitsgesellschaft RAG. Der oberirdische Grundbesitz blieb bei den Aktiengesellschaften. Hoesch und Krupp fusionierten und boten das Gut Hohenkamp zum Verkauf an.

Die neue Zeit – ein moderner Reiterhof mit weitläufigen Weiden

..... Molkenteller, Siegerbetrieb 2009

Sabine Haag-Molkenteller, Siegerbetrieb 2009

Inzwischen hat sich die Hofanlage von Gut Hohenkamp grundlegend verändert. 2005 übernahm die neu gegründete Gesellschaft mit der Hauptgeschäftsführerin Sabine Haag-Molkenteller das Gut. Ein Lebenstraum von Sabine Haag-Molkenteller und ihrem Ehemann Dr. Dieter Haag ging in Erfüllung. 2008 kam es zum ersten Spatenstich und nach einem Jahr wurde die Pferdepension für 90 Pferde eröffnet. Gut Hohenkamp ist das „Pferdeparadies Deutschlands“. Nach einem bundesweit durchgeführten Wettbewerb belegte das Gut den 1. Platz, das auch an das Reitwegenetz „Schermbeck – Hohe Mark“ angeschlossen ist. Der Grand Prix-Reiter Norbert Lochthove übernahm die Reitausbildung auf Gut Hohenkamp. Bei der Renovierung des alten Pferdestalls von 1839 waren die Statiker überrascht, wie gut Balken und Stützen die 170 Jahre überstanden haben. Pferdeställe wurden früher aus Eichenholz gebaut, weil Pferde Eichenholz nicht anknabbern. Vor dem Pferdestall wurde eine alte Zisterne entdeckt und instand gesetzt. Das Wasser ist glasklar und nicht kalt – ideal für Trinkwasser der Pferde. Inzwischen entwickelte sich Gut Hohenkamp zu einer FN-Fünf-Sterne-Reitanlage. Auf über 30 Hektar Land stehen 25 großzügige Pferdekoppeln, eine ein Kilometer lange Galoppbahn, eine Vielseitigkeitsstrecke sowie Reitwege im eigenen Wald zur Verfügung.

Der Tradition verpflichtet – neuer Schnaps!

Noch vor 100 Jahren brannte die damalige Pächterfamilie auf Gut Hohenkamp, Ostrop, Schnaps aus Korn. Auf einer alten Obstwiese hat Sabine Haas-Molkenteller wieder Apfelbäume gepflanzt. Sie sollen die Grundlage für einen hochwertigen Schnaps liefern. Der Name steht schon fest: „Gut Hohenkamp’s Paradiesapfel-Brand“.


Quellen:
Bruno Larisch „Am Anfang war das Hohefeld“ in Heimatkalender 1985. – Ulrich Brenscheidt „Das Hohenkamp – ein besonderes Fleckchen Erde“ in „Holsterhausener Geschichten“, Bd. 7, 2011.

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