Bombe im Sikh-Tempel

16-jähriger Schermbecker als Tatverdächtiger mit auf der Anklagebank

Fahndungsfotos der später festgenommenen jugendlichen mutmaßlichen Bombenleger

Fahndungsfotos der später festgenommenen jugendlichen mutmaßlichen Bombenleger

18 Tage nach dem Terror-Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus in Essen, der zumindest europaweit Schlagzeilen machte, ist am 4. Mai 2016 der 16-jährige Tolga I. aus Schermbecker als mutmaßlicher Mittäter festgenommen worden. Bereits kurz nach dem Anschlag am 16. April, bei dem ein mit Schwefel und Magnesium gefüllter Feuerlöscher zur Explosion gebracht worden war, die drei Menschen einer Hochzeitsgesellschaft zum Teil schwer verletzt hatte, waren zwei ebenfalls 16-Jährige, Yussuf T. aus Gelsenkirchen und Mohamed B. aus Essen, festgenommen worden. Danach der Schermbecker, der in Schermbeck nicht geboren wurde, aber kein Flüchtling ist. Er hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach seiner Festnahme durchsuchte die Polizei ein Haus in Gahlen. Die Ermittlungen hatte die Bundesanwaltschaft übernommen.

Prozesseröffnung am 7. Dezember – Urteilsverkündung 22. Februar 2017

Die 5. Jugendkammer beim Landgericht Essen eröffnete gegen die drei Jugendlichen am 7. Dezember den wegen Jugendschutzes nichtöffentlichen Prozess. Wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten dürfen Zuschauer und Journalisten nicht an der Hauptverhandlung teilnehmen. Im September vorausgegangen war ein Prozess gegen einen Mitläufer des Trios, der in Münster zu 18 Monaten Jugendhaft verurteilt wurde. Für den Prozess in Essen sind 21 Fortsetzungstermine geplant. Die Urteilsverkündung ist für den 22. Februar 2017 vorgesehen. Der Schermbecker soll bei der Planung und Vorbereitung beteiligt gewesen sein. Die Anklage stuft die Tat als versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Herbeiführen einer Explosion und gemeinschädlicher Sachbeschädigung ein. Heimtücke, niedrige Beweggründe und die Begehung mit gemeingefährlichen Mitteln sind als Mordmerkmale genannt. Die Angeklagten müssen sich zudem wegen zwei „Probesprengungen“ am 2. und 8. Januar in Gelsenkirchen verantworten.

Vorgeschichte: radikaler Salafismus und Planung, Ungläubige zu töten

Die Angeklagten, allesamt Schüler, sollen sich 2015 über soziale Netzwerke kennengelernt und sich als gläubige Muslime radikalisiert haben. Mit anderen Jugendlichen sollen sie eine Gruppe gebildet haben, die über WhatsApp chattete und plante, „Ungläubige“ zu töten. Der aus Gelsenkirchen stammende Angeklagte soll auch die Terroranschläge vom November 2015 in Paris befürwortet haben. Einer jüdischen Mitschülerin drohte er den Angaben des WDR zufolge an, ihr das Genick zu brechen. Der aus Essen stammende zweite Tatverdächtige war den Behörden zufolge bereits vor dem Anschlag wegen Körperverletzung und Einbruchsdiebstahls bekannt. Er soll unter anderem auf seinem Facebook-Profil dschihadistische Symbole verwendet und Informationen über den radikalen Salafismus ausgetauscht haben.

Neriman Yaman, Mutter des 16-Jährigen, Gelsenkircheners Yussuf T., der die Bombe vor dem Sikh-Gebetshaus in Essen deponiert haben soll, ging einen ungewöhnlichen Weg der Aufarbeitung. Sie veröffentlichte ein 256 Seiten starkes Buch: „Mein Sohn, der Salafist – Wie sich mein Kind radikalisierte und ich es nicht verhindern konnte.“


Quellen:
WDR vom 16. April 2016. – „Die Zeit“ vom 24. Mai 2016. – „Dorstener Zeitung“ vom 7. Mai und 21. Oktober 2016. – Website Pressestelle Landgerichts Essen (Aufruf Dezember 2016).

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